In einer ARD-Reportage wurde vor wenigen Wochen ja genau das gezeigt: Eine Reinigungskraft hat halbherzig geputzt, für alle Flächen den gleichen Lappen verwendet und dafür kaum Wasser. 
Das war sehr unglücklich. Es handelt sich um bedauerliche Ausnahmefälle. Die Reportage haben auch viele gesehen, dennoch hat sie uns nicht geschadet. Bei uns finden laufende Qualitätskontrollen statt. Wir stehen mit jeder Reinigungskraft in regelmäßigem Kontakt und Kundenfeedback wird von uns sorgfältig ausgewertet. Diese Reportage hat uns sogar neue Kunden eingebracht, die gesehen haben, dass es uns gibt und dachten: „Fehler passieren, ich probier’s trotzdem einfach mal aus.“

Wie haben Sie auf die Kritik reagiert?
Man muss dazu sagen, dass der Beitrag schon vor Monaten gedreht und erst jetzt ausgestrahlt wurde. In der Zwischenzeit haben wir unser Geschäftskonzept geändert. Zum Drehzeitpunkt haben wir mit Freelancern gearbeitet. Da konnten wir keine Regularien vorschreiben, wie zum Beispiel bestimmte Putzmittelsorten. Jetzt haben wir ein Programm, die Tiger Academy, die Putztrainings für unsere nun festangestellten Reinigungskräfte anbietet. Wir arbeiten also nicht mehr mit Freelancern. Dazu haben wir eine App für die Reinigungskräfte entwickelt. Dort können sie sich einchecken, wenn sie mit der Arbeit beginnen, und außerdem auf Checklisten ankreuzen, was sie alles geputzt haben. Wir versuchen uns durch Prozessinnovationen zu verbessern, damit sich so ein ARD-Beitrag nicht wiederholt.

Sie haben Book a Tiger vor zwei Jahren gegründet. Wie war diese Zeit?
Weniger turbulent als befürchtet. Die ersten beiden Jahre Lieferheld waren viel chaotischer und arbeitsintensiver.

Warum?
Weil wir viele Fehler gemacht haben, zum Beispiel die falschen Leute einstellten. Durch diese Zeit wissen mein Mitgründer Nikita Fahrenholz, mit dem ich jetzt auch Book a Tiger gegründet habe, und ich, genau wie der jeweils andere tickt. Unser ganzes Team kennt sich und daher ist es viel entspannter. Die Lerneffekte aus dem ersten Start-up waren ja da, daher waren die ersten beiden Jahre weniger chaotisch, aber trotzdem sehr zeitintensiv.

Wie sieht Ihre Arbeitswoche aus?
Ich fange jeden Tag gegen acht Uhr an und komme um zehn Uhr nach Hause. Nur am Samstag arbeite ich nicht, da gucke ich mir auch keine Zahlen von der Firma an. Denn wenn die scheiße sind, habe ich das ganze Wochenende schlechte Laune. Wenn du anfängst zu gründen willst du immer über alles informiert sein. Du guckst immer auf dein Handy und liest E-Mails. Aber irgendwann merkst du, dass es total egal ist, ob du eine schlechte Neuigkeit zwei oder drei Stunden später liest.

Sie sind in der Schweiz geboren, haben fünf Jahre in China gelebt und jetzt in Berlin. Wie bewerten Sie  die verschiedenen Gründerszenen?
Weil Book a Tiger einen Schweizer Investor hat, bekomme ich gerade ein paar Einblicke in die Schweizer Gründerszene. Ich glaube, die Schweiz hat das Problem, dass es dort eine starke Finanzwirtschaft gibt. Es gibt also viele Banken, Versicherungsgesellschaften und Co. Und wenn die auf die Uniabsolventen zugehen und gut bezahlte Jobs anbieten, wer gründet dann noch ein Start-up? Die Studenten, die nicht gut genug für den Direkteinstieg waren? Außerdem ist das Leben dort sehr kostenintensiv. Wir versuchen daher auch unser Team in der Schweiz so klein wie möglich zu halten, denn jeder Praktikant kostet uns schon 3.000 Euro im Monat.

Wie ist es in China?
In China gibt es ein anderes Problem. Die Leute sind sehr unternehmerisch, denn man hat keine staatliche Vorsorge und muss sich um alles selbst kümmern, wie um die Rente zum Beispiel. Gleichzeitig gibt es eine starke Zensur. Also wenn du zum Beispiel Tinder gründen willst, läufst du gegen Wände. Das geht nicht. Es ist einfach ein sehr schwieriges regulatorisches Umfeld. Die Gesetze sind sehr komplex.