Das US-Start-up will Fitnessstudios als Partner und Sportfans als Nutzer gewinnen. Ein schweißtreibender Kampf: Mit Urban Sports Club hat sich hier bereits ein Konkurrent etabliert.

Heute ein Krafttraining, kommende Woche Yoga und bald darauf ein Akupunktur-Termin: Diese Vielfalt an Fitness- und Gesundheitsangeboten gegen eine monatlich Abo-Gebühr bietet das amerikanische Start-up Classpass Nutzern in aktuell 2500 Städten und 15 Ländern weltweit. In zwei Wochen will das Start-up jetzt auch auf dem deutschen Markt starten – zuerst in Berlin und München.

Das New Yorker Unternehmen gilt als Begründer dieses Fitness-Abo-Modells. Hierzulande trifft Classpass jedoch auf Konkurrenten, die sich mit einem sehr ähnlichen Modell einem sehr ähnlichen Modell bereits vorgearbeitet haben. Allen voran das Start-up Urban Sports Club: Die Berliner hatten in den vergangenen Jahren bereits mehrere kleinere Mitbewerber übernommen und sich so in Deutschland – und mittlerweile auch in Nachbarländer – ausgebreitet. Dabei half zuletzt auch ein Investment im zweistelligen Millionenbereich, das Urban Sports Club im Herbst 2018 abgeschlossen hat. Classpass hatte zuletzt im vergangenen Sommer eine Finanzierungsrunde über umgerechnet etwa 75 Millionen Euro verkündet.

Marktplatz für Cycling-Kurse & Co.

Preislich dürften sich die beiden Konkurrenten im ähnlichen Segment bewegen. In London starten die Classpass-Preise bei knapp 40 Euro pro Monat im Tarif mit dem geringsten Punktepaket – das soll für zwei bis drei Kurse im Monat ausreichen. Der Urban Sports Club wirbt in seinem günstigsten Paket in Berlin für knapp 30 Euro mit bis zu vier „Check-Ins“ pro Monat in die Partner-Studios.

Beim Geschäftsmodell hat Classpass vor einiger Zeit umgesteuert: Die einzelnen Angebote können im Wert variieren – und das sogar je nach Tageszeit bei besonders nachgefragten Kursen. Das Start-up verdient Geld über eine Provision, die die Studios bei der Buchung eines Kurses überweisen. Man habe so einen Marktplatz geschaffen, sagt Fritz Lanmann, der als Investor zu Classpass stieß und das Unternehmen aktuell als Vorstandschef leitet. Mit Algorithmen wolle man den Studios helfen, Teile ihre Kapazitäten besser zu vermarkten.

Dieses neue Modell habe auch die Verhandlungen mit hochpreisigen Fitnessketten verbessert: „Als wir noch eine Art ‚Groupon für die Fitnessbranche‘ waren, wollten viele Ketten nicht mit uns arbeiten oder haben uns nur ihre Restposten überlassen“, sagt Lanmann im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. „Jetzt können die Studios verschiedene Preise und Pläne vermarkten.“

Bis zu 200 Studios zum Start

Auch in Deutschland sei man bereits mit vielen namhaften Fitness-Ketten im Austausch, sagt Lanmann. Die Namen der potenziellen Partner verrät Classpass jedoch noch nicht. Bei jedem Start in einer neuen Stadt habe man den Nutzern bislang 100 bis 200 Möglichkeiten präsentieren können. „Dieses Ziel haben wir auch für Deutschland“, so Lanmann.

Zum Vergleich: Im teuersten Tarif bietet Urban Sports Club laut Homepage dem Nutzer in Berlin aktuell mehr als 900 verschiedene Adressen. Lanmann ist trotz des Mitbewerbers optimistisch, was die Expansion von Classpass angeht: „Wir schätzen Konkurrenz immer sehr – und wir wollen um beiden Seiten unserer Plattform konkurrieren.“

Was die Nutzerbasis angeht, sieht er vor allem Potenzial bei Menschen, die aktuell noch wenig Angebote in Studios nutzen. „Europa war ein bisschen hinterher, was Angebote zur Gruppenfitness anging. Aber jetzt ist der Wendepunkt erreicht.“ Man wisse, dass viele potenzielle Nutzer vor allem nach einer Vielfalt im Angebot suchten, so Lanmann weiter.