Wer entscheidet am Ende, welches Start-up einen Kredit bekommt?
Die finale Entscheidung fällt im Kreditkomitee – wie bei einem ganz normalen Kreditprozess. Bevor der Prozess startet, kommt entweder der Kunde zu uns und fragt Gespräche an. Oder wir hören selbst von einem interessanten Unternehmen und rufen den CEO oder CFO an. Dann werden alle Infos ausgetauscht und analysiert, die Firma stellt einen Kreditantrag und danach läuft ein Standardverfahren bis hin zum Vertrag.

Bei Start-ups muss es oft schnell gehen: Wann fließt dann das Geld?
Vier bis acht Wochen brauchen wir bis zur Vertragsunterzeichnung, wenn alle Unterlagen direkt da sind. Abrufbar ist der Kredit dann sofort ab Unterschrift. Manche werden in Tranchen ausbezahlt, abhängig von Meilensteinen. Aber das hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Solche Kredite für Start-ups in der Frühphase machen im gesamten Bankportfolio derzeit nur sechs Prozent des ausgeliehenen Kapitals aus. Wird die frühe Start-up-Finanzierung ein Nebenschauplatz für die SVB bleiben?
Nein. Wir sehen das so: Die Kredite, die wir jetzt an Firmen wie beispielsweise Cisco vergeben, finden Sie nicht mehr im Start-up-Bereich, sondern mit viel größeren Tickets bei Corporate Finance. Das war bei Cisco am Anfang auch anders. Hier geht es uns darum, gemeinsam mit unseren Kunden zu wachsen. Early-Stage-Kredite sind für uns deshalb eher ein Eintritt in eine Beziehung, die hoffentlich ewig hält.

Das klingt alles recht unproblematisch. Trotzdem schrecken viele Gründer vor Venture Debt zurück und geben lieber Firmenanteile ab – aus Sorge vor der Zukunft mit Schuldenlast. Gefährden zu hohe Schulden nicht eher eine Folgefinanzierung?
Das wäre nur dann der Fall, wenn der Kreditvertrag so ausgestaltet wird, dass er bei Investoren auf Unverständnis trifft. Das heißt, dass er überteuert ist oder Bedingungen enthält, die ein Investor nicht mittragen will. Wenn man mit Venture Debt aber professionell umgeht, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass das einen Investor abschreckt. Bei kaum oder gar keiner Verwässerung der Firmenanteile, kann das nur im Interesse der Gesellschafter und Investoren sein. Venture Debt ist zudem ein Signal für einen gewissen Reifegrad des Unternehmens und daher eher positiv. Ich hoffe, dass mit dem Produkt in der Branche sehr bewusst umgegangen– und nicht bei falschen Unternehmen zum falschen Zeitpunkt eingesetzt wird. Denn zu viel Kredit kann ein Start-up ruinieren.

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