Die Bereitschaft der Politik sich mit Gründern auszutauschen wachse jedoch: „Das Interesse der Politik an neuen Lebensläufen und Geschäftsmodellen ist unglaublich groß“, sagt Hauptmann. In vielen Aspekten blicke die Gründerwelt wohlwollend auf Berlin. Dennoch: „Wir können und wollen noch viel machen.“ Das Tempo, in dem Dinge verändert werden können, so war aus der Gründerecke unisono zu hören, passe jedoch nicht zu den Zielen und Plänen von Start-ups. Unkomplizierte Ideen und gesetzliche Vorgaben und Fristen passen da selten zusammen.

Einigkeit beim Thema Wachstumsfinanzierung

Das gilt auch für die Themen Fachkräfte und Finanzierung. Sechs Wochen habe es gedauert, alle Dokumente zu besorgen, um einen Bewerber aus dem Libanon nach Deutschland zu bringen, berichtete Hub-Managerin Kohler: „Dieses Profil habe ich in Deutschland nicht gefunden, es wäre schön, wenn das dann schneller geht.“ BDSU-Vorstand Schubert brachte mögliche Start-up-Visa ins Gespräch: Die klügsten Köpfe der besten Universitäten weltweit könnten demnach eine automatische begrenzte Arbeitserlaubnis für Deutschland erhalten. Einige Länder weltweit und in Europa haben entsprechende Programme gestartet, in Deutschland verweisen die offiziellen Portale einzig auf die Beantragung einer „Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer selbständigen Tätigkeit“.

Beim leidigen Thema Wachstumsfinanzierung herrschte eine gewisse Einigkeit auf dem Podium. Auch wenn sich die Situation durch einige gut gefüllte deutsche und europäische Fonds langsam verbessert: Sieben- und achtstellige Summen sind für viele Start-ups häufig nur schwierig zu bekommen. Ein Venture-Capital-Gesetz war trotz klarer Zielvorgabe im Koalitionsvertrag im vergangenen Jahr gescheitert.

Änderungen erfolgen nicht schnell genug

Politiker Hauptmann verwies auf bereits existierende Förderungsmöglichkeiten wie das Zuschussprogramm Invest oder den High-Tech-Gründerfonds. Offen zeigte er sich jedoch dafür, dass in Zukunft auch große Kapitalgesellschaften wie Pensionsfonds und Versicherungen leichter in Start-ups investieren könnten – schon Promille der enormen Anlagesummen könnten der deutschen Gründerszene einen enormen Schub verpassen. „Auf lange Sicht kann es ein hohes Risiko sein, nicht in Risikounternehmen zu investieren“, sagte auch Schubert.

Schnell genug für heutige Gründer wird sich aber mutmaßlich auch in diesem Bereich nichts ändern können. Gründer Wuttke, aktuell mit einer Handvoll Mitarbeiter von Leipzig aus tätig, plant daher eine zweigleisige Strategie: Für Entwickler und Programmierer sieht er den deutschen Standort – trotz aller Hürden – als optimales Terrain. Für die nächsten Finanzierungsrunden, die für das junge Unternehmen bald anstehen, beginne die Suche jedoch in den USA.