Catering ist ein globales Milliardengeschäft. Start-ups wie Catero, Caterwings und HeyCater wollen den Markt verändern.

Von Katja Scherer

Wer früher als Gastgeber beeindrucken wollte, hängte sich moderne Kunst an die Wände. Heute zählt das Buffet: Belegte Brötchen? Von vorgestern. Da müssen schon Chili-Chicorée-Salat mit Chia-Samen und Matcha-Creme mit Mungosprossen her. „Qualitativ hochwertiges Catering wird für Unternehmen, aber auch im privaten Bereich immer wichtiger“, sagt Fabio Ziemßen vom Onlineportal E-Food Blog. Davon wollen immer mehr Gründer profitieren. Ob Köche für zu Hause oder Online-Plattformen für die Suche nach dem richtigen Caterer: Startups wie Catero, Caterwings oder Foodiac versuchen, ihren Platz in einem schon jetzt hart umkämpften Markt zu finden.

Catering ist ein globales Milliardengeschäft. Allein die zehn größten Caterer in Deutschland erwirtschaften laut der Fachzeitschrift gv-praxis einen jährlichen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Rechnet man die Versorger von Schulkantinen, Altenheim und Luftfahrt dazu schätzen Experten den Umsatz der Branche sogar auf 11 Milliarden Euro pro Jahr. Industrielle Großküchen, Eventgastronomen und  Metzgereien, die Snacks für die Mittagspause liefern – alle kämpfen um ihren Anteil.

Trotzdem haben die Startups eine Chance, sagt Wolf Michael Nietzer von den Food-Angels. Das Netzwerk aus professionellen Business Angels unterstützt junge Firmen rund um das Thema Lebensmittel. „Anders als zum Beispiel der Markt für Lieferdienste war die Catering-Branche bisher kaum digitalisiert. Das macht es den Gründern leicht, mit ihrem Technologie-Wissen einen Mehrwert zu schaffen.“ Viele Startups seien dabei eher eine Ergänzung als ein Ersatz für etablierte Cateringfirmen.

Ein Beispiel sind Online-Plattformen wie die Rocket-Internet-Tochter Caterwings oder die Hamburger Firma Catero. Dort können Kunden bestimmte Suchkriterien eingeben: Für wie viele Personen liefert ein Caterer? Bietet er auch vegane Gerichte? Binnen Sekunden bekommen sie eine Liste von Bringdiensten in ihrer Nähe, auf die die Beschreibung passt. Das macht es einfacher, einzelne Angebote zu vergleichen.

„Gerade kleinere Anbieter haben sich bisher oft schwer getan, eine Internetseite einzurichten, die dann auch bei Google gefunden wird“, sagt Nietzer. Mit den Plattformen können sie ihre Kunden online besser erreichen. Dafür müssen sie allerdings eine Provision am den Plattform-Betreiber zahlen.

Einige Unternehmen wie Lemoncat und HeyCater konzentrieren sich vor allem auf Firmencatering. Manager sitzen oft stundenlang in Meetings, Verhandlungen und Konferenzen. Gutes Essen sorgt nicht nur dafür, dass die Teilnehmer bei Laune bleiben. „Essen ist in Deutschland für viele Firmen auch zu einer Art Statussymbol geworden“, sagt Food-Experte Fabio Ziemßen. „Die Firmen wollen auf diese Weise zeigen, dass sie neue Trends frühzeitig wahrnehmen und das lässt sich über die Auswahl der Gerichte und Food Services sehr gut zeigen.“  Den Startups kommt das zu Gute: Kunden, für die Essen nicht nur Notwendigkeit, sondern Teil der Selbstdarstellung ist, zahlen mehr.

Ob Paleo, Free-From-Speißen oder Superfoods – auch bei privaten Veranstaltungen werden spezielle Essgewohnheiten immer wichtiger. „Früher waren exklusive Produkte wie Kaviar einer kleinen Bevölkerungsgruppe vorbehalten“, sagt Ziemßen. „Heute haben wir Zugang zu allem und definieren uns daher über komplexere Ernähungsmuster, die Ausdruck unserer Identität und Werte sind.“ Für Caterer bedeutet das: wer lediglich eine solide Standardauswahl ohne Extras anbietet, hat es in Zukunft schwer – insbesondere bei trendbewussten Großstädtern.

Gleichzeitig bekomme gemeinsames Essen einen immer stärkeren Erlebnis-Charakter, so Ziemßen. Darauf setzt auch das Startup Foodiac, das Anfang März in Berlin gestartet ist. Das finnische Unternehmen vermittelt Köche an Privatpersonen. Wie wird das Steak saftig und die Soße cremig? Wer will, kann sich in der eigenen Küche Tipps vom Profi holen – oder gleich mitschnippeln. Knapp 20 Köche und Caterer stehen in Berlin bisher zur Auswahl. Bald will das Startup auch in weitere Städte expandieren.

Möglichst schnell möglichst groß werden: Das Wettrennen um die Vorherrschaft in der Branche hat begonnen. Mit EzCater, ZeroCater oder EatClub gibt es dafür schon eine ganze Reihe amerikanischer Vorbilder. Das Startup EzCater zum Beispiel hat insgesamt schon 35 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt. Marktexperte Nietzer erwartet, dass auch in Deutschland immer mehr Geldgeber einsteigen werden. „Der Markt für Catering wird weiter wachsen“, sagt er. Dennoch würden wohl nicht alle Startups überleben. „In den nächsten Monaten muss sich zeigen, welches Geschäftsmodell von den Kunden am besten angenommen wird.“