Der Autokonzern führt eine Finanzierungsrunde über 28 Millionen Euro an. Beim digitalen Autokauf sortieren die Hersteller ihre Strategien.

31 Mercedes-Modelle sind schon auf der Seite des Neuwagenportals Carwow zu finden. Die durchschnittliche Ersparnis zum Listenpreis beträgt laut dem Start-up dabei mehr als 8000 Euro zum Listenpreis. Wie sich diese Liste und Rabatte in den kommenden Wochen verändern, wird spannend: Denn Daimler ist jetzt als strategischer Investor bei Carwow eingestiegen.

Wie das Start-up heute mitteilt, führt der Stuttgarter Automobilhersteller eine Finanzierungsrunde über 28 Millionen Euro an. Daneben seien zukünftig weitere Firmen mit Erfahrungen in dem Geschäft mit dabei, unter anderem mehrere deutsche Autohändler. Zudem stellen die bisherigen Investoren, zu denen Risikokapitalgeber wie Balderton Capital, Accel und Vitruvian Partners gehören, neues Kapital zur Verfügung.

Autos im Wert von 600 Millionen Euro verkauft

Gestartet ist Carwow 2013 in Großbritannien. Vor etwa drei Jahren hat sich das Portal auch für den deutschen Markt geöffnet – hierzulande habe man nach eigenen Angaben bereits 1,5 Prozent am privaten Neuwagengeschäft. Seit dem Start in Deutschland habe man Neuwagen im Wert von 600 Millionen Euro verkauft, was in etwa 15.000 bis 25.000 Fahrzeugen entsprechen dürfte.

Das zusätzliche Kapital will Carwow zum einen nutzen, um das Marketing und die Mitarbeiterzahl weiter auszubauen. Zum anderen soll auch die Produktpalette erweitert werden: Zukünftig will das Start-ups auch Lagerfahrzeuge, Jahreswagen, Leasingautos und Zubehörteile anbieten. Damit wächst das Start-up auch in die Geschäftsmodelle von Start-ups wie Vehiculum, Abracar oder Digital-Giganten wie Auto1 oder Mobile.de herein.

Hersteller öffnen sich für Plattformen

Ein weiterer Konkurrent findet sich im Beteiligungs-Portfolio von Daimler. Die Stuttgarter hatten sich im vergangenen Jahr bei dem von Volkswagen gestarteten Portal Heycar angeschlossen. Die Plattform war mit Gebrauchtwagenfokus gestartet, hat aber auch Jahreswagen im Angebot.

Lange Zeit haben Automobilkonzerne sich bei Kooperationen jenseits der eigenen Markenwelten zurückgehalten. Mit den Beteiligungen an Start-ups, die sich nicht auf einen oder wenige Hersteller beschränken, setzen die großen Konzerne jedoch ihre Öffnung auf einem umkämpften Markt fort. Die radikale Veränderung der Sichtweise des Automobilhandels zeige sich deutlich, kommentiert auch Carwow-Mitgründer und Deutschland-Chef Philipp Sayler von Amende: „Die Digitalisierung wird als Chance erkannt, um den Kunden ein einzigartiges digitales Kundenerlebnis zu bieten.“