Das Netzwerk BayStartUP gilt als eine der wichtigsten Anlaufstellen für Start-ups auf Kapitalsuche. Geschäftsführer Carsten Rudolph erklärt im Interview, was hinter den Kulissen passiert.

Bayern boomt: Aus München und Umgebung stammen einige der größten Deals in der deutschen Start-up-Szene. Zu den bekannten Namen aus dem Süden zählen die Robotik-Firma Magazino, der Immobilienverwalter Casavi oder das Sensorik-Start-up Tacterion. Neue Gründerzentren entstehen auch in kleineren Städten: im fränkischen Bamberg, Waldsassen in der Oberpfalz, im niederbayerischen Deggendorf, Ingolstadt in Oberbayern oder Kempten im Allgäu.

Was in der Start-up-Szene im Süden der Bundesrepublik passiert, behält Carsten Rudolph genau im Blick. Der Geschäftsführer des Investorennetzwerks BayStartUP vernetzt Gründer mit Kapitalgebern aus Bayern. Mit 280 Business Angels und institutionellen Investoren im Rücken bezeichnet sich BayStartUP gerne als das größte Finanzierungsnetzwerk in Deutschland. Ursprünglich als Veranstalter von Business-Plan-Wettbewerben gestartet, bietet die Firma inzwischen auch Coachings zu Gründungsthemen sowie Workshops für Investoren an. Schwerpunkt liegt aber auf der Vermittlung von Kontakten für die Finanzierung von Start-ups, von den Standorten München und Nürnberg aus.

Der Vermittlungsdienst ist kostenfrei für Gründer und Business Angels – das Netzwerk erhält sein Geld vom bayerischen Wirtschaftsministerium sowie von Sponsoren. Darunter befinden sich Banken wie die LFA Förderbank Bayern, Unternehmen wie Siemens, aber auch Anwaltskanzleien wie Rödl & Partner. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer verrät BayStartUP-Geschäftsführer Carsten Rudolph, wie er gute Ideen mit dem nötigen Geld zusammenbringt:

Herr Rudolph, die Wirtschaft in Bayern läuft auf Hochtouren, die Innovationsfreude ist groß. Es locken ein paar richtig gute Deals. Wie verhindern Sie, dass sich Ihre Investoren um Start-ups prügeln?
Unser Anspruch ist, gerecht mit potenziellen Investments umzugehen. Das heißt, es werden immer alle Business Angels zu den Treffen eingeladen, auf denen sich Start-ups vorstellen. Wenn sich mehrere Investoren für eine Firma interessieren, kommt es häufig vor, dass alle einsteigen – je nachdem, wie sich das Start-up entscheidet.

Klingt etwas zu harmonisch. Es wird doch bestimmt auch Wettbewerb unter den Investoren geben?
Ja, das stimmt. Wenn es um große Finanzierungsrunden mit Einzelinvestments in Millionenhöhe geht, herrscht durchaus Konkurrenz. Investoren, die über die nötigen Mittel verfügen, nehmen zum Teil gerne etwas mehr Geld in die Hand, wenn sie den Deal dafür alleine abschließen können – und sich die Anteile dann nicht mit Wettbewerbern teilen müssen.

Wie entscheiden Sie denn, welcher Investor mit welchem Start-up in intensivere Gespräche kommt?
Wir entscheiden das gar nicht. Start-ups, bei denen wir eine gute Chance auf eine Finanzierung sehen, stellen wir den Investoren bei verschiedenen Gelegenheiten vor: Es gibt monatliche Business-Angel-Meetings sowie Pitches bei verschiedenen Konferenzen und regionalen Investorenabenden. Auf die Art vermitteln wir den Kontakt zu möglichst vielen potenziellen Investoren.

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So kommen Gründer nah an die Quelle – bestimmt gibt es viele, die gerne Zugang zum Netzwerk erhalten würden. Welche Start-ups dürfen mitmachen?
Jährlich bekommen wir rund 700 Anfragen von Gründern. Alle Start-ups, die über uns eine Finanzierung suchen, erhalten im ersten Schritt einen Fragebogen, der ein paar Grundsatzfragen klären soll: Hat die Firma überhaupt hohe Wachstumsziele? Das ist für uns wichtig, da wir natürlich Start-ups fördern wollen, die auch wirklich Kapitalbedarf haben. Außerdem fragen wir zum Beispiel, wie das Geschäftsmodell aussieht und wie die Teamarbeit läuft. In dieser Runde fallen schon einige Firmen raus, weil sie uns keine Antwort schicken. Was die Branche oder die Geschäftsidee angeht, machen wir grundsätzlich keine Vorgaben. Aber es geht uns vorrangig um Gründer, die ein Jahr vor bis drei Jahre nach der Gründung stehen – da sehen wir den höchsten Bedarf an inhaltlicher Unterstützung bei der Finanzierung.

Wer schafft es am Ende in die engere Auswahl – nur Firmen aus Bayern?
Wir treffen uns pro Jahr mit rund 550 Start-ups zu einer ersten Vorstellungsrunde – dabei wollen wir immer das ganze Team kennenlernen, bevor wir Investoren auf die Firma aufmerksam machen. Daran scheitert es oft bei Teams, die nicht aus Bayern kommen. Grundsätzlich können sich auch Start-ups aus anderen Bundesländern bewerben, aber oft zeigt sich, dass die Wege zu weit sind für einen intensiveren Kontakt zu uns im ersten und zum Investor im zweiten Schritt. Diese kommen bei uns zu 80 Prozent aus Bayern und wollen ihr Start-up auch meistens in zwei bis drei Stunden Fahrt besuchen können – anstatt extra eine Geschäftsreise zu planen. Bis zu den intensiveren Gesprächen, also mit mindestens zwei Terminen, kommen im Schnitt 400 Start-ups pro Jahr.

Gehen Kontakte für besonders interessante Deals auch mal unter der Hand weg?
Nein, nicht im engeren Sinne. Wir treffen schon ab und zu eine Vorauswahl – wenn sich ein Start-up mit sehr speziellen Themen beschäftigt, die nur zu einem kleinen Kreis der Business Angels passen. Dann sprechen wir im ersten Schritt zum Beispiel nur um die 30 Investoren an. Wer in den Verteiler kommt, darüber berät und entscheidet ein Teil unseres Teams bei BayStartUP.

Und dabei gibt es keine Beschwerden von Investoren, die sich benachteiligt fühlen?
Nein, das hatten wir noch nie. Das liegt auch daran, dass wir regelmäßig Mails an alle Business Angels schreiben, in denen auch wirklich alle finanzierungsreifen Start-ups mit ein paar Infos aufgelistet sind.

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Findet denn jeder Gründer bei Ihnen einen Geldgeber?
Der Spruch, dass jede gute Idee auch einen Investor findet, stimmt aus meiner Sicht wirklich. Geld ist in Deutschland momentan auf jeden Fall genug vorhanden – wir müssen nur noch stärker vernetzen. Natürlich gibt es viele Gründe, warum eine Finanzierungsrunde trotzdem scheitern kann. Ganz stark kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an: Viele Start-ups haben beispielsweise Pech, weil ein eigentlich passender Investor gerade Geld in eine andere Firma gesteckt hat und erstmal eine Pause einlegt. Oder ein möglicher Kapitalgeber zieht sich für mehrere Monate zurück, um sein eigenes Geschäft im Ausland voranzutreiben – dann erreichen sie ihn eben nicht. Das ist schade, aber Gründer müssen das akzeptieren.

Dabei wirkt es in letzter Zeit so als würden sich etablierte Unternehmen um eine Beteiligung an Start-ups reißen – um mehr von Innovationen mitzubekommen. Wie stark ist der bayerische Mittelstand derzeit an der Zusammenarbeit mit Gründern interessiert?
Das Interesse an Start-ups nimmt zu, aber wir stellen doch immer noch sehr unterschiedliches Kenntnisniveau und teilweise Skepsis fest. Manche Unternehmer scheuen eine Beteiligung, weil sie zu viele Verpflichtungen fürchten – zum Beispiel, die ganze Firma kaufen zu müssen. Dabei sind Minderheitsbeteiligungen ja auch das Ziel der Start-ups. Oder die Investoren haben ein falsches Bild vor Augen und denken, bei uns geht es zu wie im Fernsehen bei „die Höhle der Löwen“.

Wie geht es denn stattdessen zu?
Viel sachlicher. Denn in der bayerischen Start-up-Szene haben wir im Vergleich zu anderen Regionen besonders viele B2B-Geschäftsmodelle. Das sind häufig hochtechnische Themen, die vor laufender Kamera ohnehin zu kompliziert zu erklären wären. Abgesehen davon stellen unsere Business Angels ihre Fragen auch viel konstruktiver als in den Fernsehshows häufig zu sehen – es geht bei uns schließlich darum, eine Gründung voranzubringen und nicht, jemanden in die Mangel zu nehmen.
Herr Rudolph, vielen Dank für das Gespräch.