Findet denn jeder Gründer bei Ihnen einen Geldgeber?
Der Spruch, dass jede gute Idee auch einen Investor findet, stimmt aus meiner Sicht wirklich. Geld ist in Deutschland momentan auf jeden Fall genug vorhanden – wir müssen nur noch stärker vernetzen. Natürlich gibt es viele Gründe, warum eine Finanzierungsrunde trotzdem scheitern kann. Ganz stark kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an: Viele Start-ups haben beispielsweise Pech, weil ein eigentlich passender Investor gerade Geld in eine andere Firma gesteckt hat und erstmal eine Pause einlegt. Oder ein möglicher Kapitalgeber zieht sich für mehrere Monate zurück, um sein eigenes Geschäft im Ausland voranzutreiben – dann erreichen sie ihn eben nicht. Das ist schade, aber Gründer müssen das akzeptieren.

Dabei wirkt es in letzter Zeit so als würden sich etablierte Unternehmen um eine Beteiligung an Start-ups reißen – um mehr von Innovationen mitzubekommen. Wie stark ist der bayerische Mittelstand derzeit an der Zusammenarbeit mit Gründern interessiert?
Das Interesse an Start-ups nimmt zu, aber wir stellen doch immer noch sehr unterschiedliches Kenntnisniveau und teilweise Skepsis fest. Manche Unternehmer scheuen eine Beteiligung, weil sie zu viele Verpflichtungen fürchten – zum Beispiel, die ganze Firma kaufen zu müssen. Dabei sind Minderheitsbeteiligungen ja auch das Ziel der Start-ups. Oder die Investoren haben ein falsches Bild vor Augen und denken, bei uns geht es zu wie im Fernsehen bei „die Höhle der Löwen“.

Wie geht es denn stattdessen zu?
Viel sachlicher. Denn in der bayerischen Start-up-Szene haben wir im Vergleich zu anderen Regionen besonders viele B2B-Geschäftsmodelle. Das sind häufig hochtechnische Themen, die vor laufender Kamera ohnehin zu kompliziert zu erklären wären. Abgesehen davon stellen unsere Business Angels ihre Fragen auch viel konstruktiver als in den Fernsehshows häufig zu sehen – es geht bei uns schließlich darum, eine Gründung voranzubringen und nicht, jemanden in die Mangel zu nehmen.
Herr Rudolph, vielen Dank für das Gespräch.