Das Hamburger Unternehmen will Lastwagen effizienter auslasten und fahren lassen. Die Entwicklung der Technik fördert das Verkehrsministerium mit einem Millionenbetrag.

Von Hamburg nach München mit einigen Paletten – zurück geht es leer oder halbleer. Alltag in vielen Speditionen. Das Hamburger Start-up Carrypicker will das Problem technologisch lösen. Mit seinen Algorithmen sollen verschiedene Teilladungen besonders effizient und automatisiert kombiniert werden. Zu 70 Prozent seine Lastwagen heute in Deutschland ausgelastet, rechnet Carrypicker vor. Mit der eigenen Lösung könne man auf mehr als 80 Prozent kommen, ist der Gründer überzeugt. Das hieße: Weniger Lastwagen müssten auf den Straßen unterwegs sein – in Zeiten von umfangreichen Klima- und Verkehrsdebatten ein schlagkräftiges Argument.

2,4 Millionen Euro vom Verkehrsministerium

Das hat auch das Bundesverkehrsministerium überzeugt. Carrypicker darf das Potenzial seiner intelligenten Preis-Mengen-Steuerung mit einer Forschungsförderung weiterentwickeln. 2,4 Millionen Euro stellt das Ministerium dafür aus dem Modernitätsfonds mFund bereit. Start-ups sind in einigen der geförderten Projekte als Technologieanbieter beteiligt – mit der Leitung eines solchen Projektes ist Carrypicker aber das einzige Start-up. „Der Aufwand für die Bewerbung war gewaltig“, sagt Gründer Andreas Karanas, „aber es geht ja schließlich auch um Steuergelder.“

Zehn Mitarbeiter sollen nun in den nächsten zwei Jahren an der Technologie forschen. Mit dabei sind IT-Firmen aus dem Rhein-Main-Gebiet sowie Forscher der Universität Bremen. Karanas lobt die Möglichkeiten, die ihm die zweckgebundene Forschungsförderung bietet: „Das sind Größenordnungen, mit denen man wirklich Themen voranbringen kann.“

Eigene Routen statt Fahrtenvermittlung

Zudem kooperiert das Start-up eng mit der Spedition Neufra, die sich heute schon auf die optimale Kombination von Teilladungen spezialisiert hat. Auf 2000 Transportunternehmer mit etwa 15.000 Fahrzeugen habe man bereits Zugriff, berichtet Karanas. Der Algorithmus des Start-ups mietet tageweise Lastwagen an und füllt diese dann so effizient wie möglich mit passenden Lieferungen. Damit unterscheidet sich das Start-up von einigen Frachtbörsen, die in erster Linie zwischen Versender und Spedition vermitteln.

Den Versendern bietet Carrypicker in Echtzeit schwankende Preise an – ähnlich wiederum wie bei den Angeboten von Airlines. „Zu dem zugesagten Preis fahren wir dann – auch, wenn wir uns vertan haben“, sagt Karanas. Mehr als 50 Faktoren müsse man dabei pro Buchung berücksichtigen, berichtet der Gründer. Um es ein wenig einfacher für den Algorithmus zu machen, konzentriert sich Carrypicker in erster Linie auf Palettengut. Jenseits der Förderung treibt Karanas sein Start-up mit Eigenmitteln voran. Branchenerfahrung und Kapital sind vorhanden – er hatte zuvor das Start-up Cargonexx mitgegründet, das mit einem ähnlichen Ansatz angetreten ist.