Das Start-up hilft Lebensmittelproduzenten, leichter ihren CO2-Fußabdruck zu berechnen. Damit liegt das Team im Trend – und kann jetzt auch einen deutschen Business Angel überzeugen.

Die hippe Hafermilch hat es schon getan: Eine Wert von 0,27 CO2-Äquivalenten weist Oatly für die Ein-Liter-Packung seines Produktes aus. Zusammengefasst sind dabei alle möglichen Klimaverschmutzungsquellen, vom Anbau über den Transport bis zum Vertrieb in die Supermärkte. Die Werte für die Kalkulation (hier im Detail als PDF) wurden dabei nicht händisch von Beratern zusammengetragen, sondern von einer Software: Oatly ist einer der ersten prominenten Referenzkunden des schwedischen Start-ups CarbonCloud.

Das Team entwickelt eine digitale Plattform, die insbesondere der Lebensmittelindustrie helfen will, mehr Transparenz über ihren CO2-Fußabdruck zu erhalten. Und das möglichst über alle verschachtelten und weltumspannenden Etappen einer Produktionskette hinweg. „Es gibt weniger Daten, als wir uns wünschen würden“, sagt Gründer David Bryngelsson, „aber mehr als genug, um ausreichende Ergebnisse zu erhalten“.

Jahrelange Forschung fließt in die Software ein

Die Software versteckt die komplizierten Gleichungen hinter einer übersichtlichen Benutzeroberfläche – und kombiniert Eingaben der Unternehmen mit Daten aus öffentlich verfügbaren Verzeichnissen. Die Vision: Je mehr Unternehmen mitmachen und auch ihre Zulieferer motivieren, desto umfangreicher und exakter werden die Auswertungen.

Neu ist das Modell nicht: Seit vielen Jahren sei es in der akademischen Forschung etabliert und werde unter anderem von der schwedischen Umweltschutzbehörde verwendet, heißt es von CarbonCloud. Auch Bryngelsson selbst war lange Zeit in der Wissenschaft tätig – das Start-up ist eine Ausgründung der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg. „Aber es gibt einen großen Unterschied im Verständnis von Klimabelastungen, was Forschung und Unternehmen angeht“, sagt Bryngelsson.

In den letzten Jahren versuchen immer mehr Start-ups, diese Erkenntnisse in leicht bedienbare Software zu übersetzen. Klima Metrix überzeugte im Frühjahr Investoren und fokussiert sich mit seinem CO2-Kalkulator auf verschiedene Funktionsbereiche in Unternehmen. Climate Labs zielt auf den Privatverbraucher, der Klarheit über seinen Klima-Fußabdruck erhalten möchte – auch hier stiegen kürzlich Geldgeber ein.

Neugier auf Nachhaltigkeits-Kennzahlen wächst

Die jungen Tech-Firmen profitieren auch davon, dass die Neugier auf solche Kennzahlen stetig wächst. „Der Endkonsument verlangt Transparenz“, sagt Bryngelsson. Und in dessen Windschatten fordern auch Investoren konkrete Daten über die Nachhaltigkeits-Bemühungen von Unternehmen. Die Ergebnisse liefern Klarheit, wo es in der Lieferkette vielleicht noch hakt – gute Werte lassen sich auch ins Marketing einbinden. „Viele Firmen wissen, dass sie ganz gut dastehen“, sagt Bryngelsson, „aber sie haben keine klaren Daten darüber.“

Das kleine zehnköpfige Team aus Göteborg steht nun vor der Herausforderung, auch die großen Konzerne der Branche zu überzeugen. Helfen dabei soll eine frisch abgeschlossene Finanzierungsrunde. Eine Million Euro fließt an CarbonCloud, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfahren hat. Zum einen steigt der finnische Risikokapitalgeber Maki.vc bei den Schweden ein.

Zum anderen kommt der deutsche Privatinvestor Tim Schumacher dazu. Er hat sich bereits an mehreren Start-ups mit Nachhaltigkeitsbezug, etwa der Suchmaschine Ecosia oder Sirplus, das sich dem Thema Lebensmittelverschwendung widmet, beteiligt. „Es ist an der Zeit, das Accounting des Klimafußabdrucks von Lebensmitteln zu digitalisieren“, sagt Schumacher. Der Kontakt zwischen Schumacher und CarbonCloud kam dabei durch einen anderen schwedischen Gründer zustande: Soundcloud-Initiator Eric Wahlforss brachte den Business Angel mit dem Start-up in Kontakt.