Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründer von Cara Care, André Sommer und Jesaja Brinkmann, an. Sie wollen Krankheiten per App heilen. Wie urteilt Investor Frank Thelen?

Eine halbe Minute mit Investor Frank Thelen im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Jeder fünfte Mensch weltweit leidet unter Verdauungsstörungen und Lebensmittelunverträglichkeiten. Mit unserer digitalen Therapie schaffen wir es, bei 86 Prozent der Patienten die Symptome zu lindern, im Schnitt um 40 Prozent. Wie das funktioniert? Nutzer beantworten in unserer App Fragen. Und sie führen ein Tagebuch, in dem sie festhalten, was sie essen und welche Probleme sie haben. Sie erhalten dann individuelle Analysen. Und einer unserer 17 Ernährungsberater behandelt sie per Videochat. Fast jede Krankenkasse in Deutschland unterstützt die Therapie. Wir sind der meistgenutzte Telemedizindienst der Republik.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir haben beide Medizin studiert und im Krankenhaus gearbeitet. Und uns war aufgefallen, dass die Therapie etwa des sogenannten Reizdarmsyndroms sehr kompliziert ist. Da fallen viele Patienten durchs Gesundheitssystem.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Zwei Drittel des Umsatzes steuern die Krankenkassen, ein Drittel die Patienten bei. Wir bauen zudem Partnerschaften mit Unternehmen auf, die unseren Dienst ihren Mitarbeitern und Kunden anbieten wollen.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d)…sinnstiftend. Wir wollen die Lebensqualität unserer Patienten verbessern.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Ein Drittel unseres Teams ist nicht in Deutschland geboren, sondern in Ländern wie Marokko, Kasachstan, Frankreich. Für ein Tech-Start-up haben wir zudem eine extrem hohe Frauenquote. Sie liegt bei 70 Prozent.

Was war euer größter Rückschlag?
Wir glaubten anfangs, die Therapie komplett automatisieren zu können. Die Patienten wollten aber an die Hand genommen werden.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann sind wir die weltweit führende Plattform für Verdauungsstörungen und helfen Millionen von Menschen.

Fakten zum Start-up:

Kunden: 300.000 Nutzer, davon einige Tausend Kunden für die kostenpflichtige Videotherapie
Finanzierung: Wagniskapital und öffentliche Förderung
Gründung: 2016 in Berlin
Mitarbeiter: 27

Würde der Profi investieren?

Idee: 2/5
Geschäftsmodell: 2/5
Timing: 2,5/5

Urteil: „Entscheidend wird unter anderem sein, Kooperationen mit Krankenkassen auszubauen. Dadurch gewänne der Dienst an Attraktivität. Außerdem: Um Privatkunden für eine App zu gewinnen, muss man viel Marketing betreiben.“
Frank Thelen, Gründer der Wagniskapitalfirma Freigeist, einstiger Investor bei MyTaxi und Wunderlist

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