Mit Johnson & Johnson steigt ein Pharmazie- und Konsumgüterriese bei dem Berliner Start-up ein. Das will nun in den USA wachsen.

Per App Verdauungsstörungen behandeln? Bei Frank Thelen fiel die Geschäftsidee von André Sommer und Jesaja Brinkmann im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche vergangenen Dezember durch. Entmutig hat die Gründer von Cara Care das Urteil des prominenten Investors offenbar nicht. Denn nun melden sie einen Meilenstein bei der Suche nach Geldgebern: Wie ihr Start-up HiDoc Technologies heute mitteilte, hat das Unternehmen gerade eine Finanzierungsrunde im Volumen von umgerechnet knapp 6,3 Millionen Euro (7 Millionen Dollar) abgeschlossen.

Lead-Investor waren demnach Johnson & Johnson Innovation, der Wagniskapitalarm des amerikanischen Pharmazie- und Konsumgüterkonzerns, sowie der in Barcelona ansässige Risikokapitalgeber Asabys Partners. Beteiligt war mit der Berliner VC-Firma Atlantic Labs zudem ein Bestandsinvestor. Dessen Gründer Christophe Maire lobt das Timing der Gründer: „Digitale Therapien sind die nächste große Bewegung im Gesundheitsbereich und Cara Care ist in dem Segment eines der am weitesten fortgeschrittenen Unternehmen.“

Das 2016 gegründete Start-up gibt an, bereits 400.000 Nutzern in Deutschland und den USA bei Beschwerden wie Durchfall, Reizdarm oder Sodbrennen geholfen zu haben. Kern des Angebots ist eine App, in der Nutzer eine Art Tagebuch über ihre Ernährung und ihre Beschwerden führen. Daraus werden Analysen und Therapie-Vorschläge abgeleitet. Bisher nur in Deutschland verfügbar ist die Möglichkeit, per Videochat mit Ernährungsberatern Kontakt aufzunehmen. Die Behandlungskosten übernehmen dabei teilweise die Krankenkassen.

Expansionspläne auf dem US-Markt

Das Telemedizin-Angebot von Cara Care will HiDoc Technologies künftig auch in den USA anbieten. Genutzt werden soll das frische Kapital außer für den Markteintritt in weitere Länder vor allem dafür, neue Kooperationen aufzubauen. Dazu spreche das Start-up etwa mit Pharmaunternehmen, Diagnose-Laboren und Unternehmen der Lebensmittelindustrie, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens.

Mit dem Fokus auf Verdauungsstörungen positioniert sich Cara Care im wachsenden Telemedizin-Markt als Spezialist für ein Fachgebiet. Ähnlich geht beispielsweise auch Spring vor – das Mitte Mai gestartete Portal legt den Fokus auf Männergesundheit. Als Generalist will dagegen Zava wahrgenommen werden: Das Unternehmen, das große Wachstumspläne in Deutschland hat, gibt an, aktuell rund 30 medizinische Indikationen zu behandeln.