Das Frankfurter Start-up will künftig eigene Arzneimittel auf Cannabis-Basis herstellen – dabei aber auf einen Hanfanbau in Deutschland verzichten.

Der Markt ist jung – und gilt als äußerst attraktiv: Seit in Deutschland Cannabis-Produkte als Arzneimittel zugelassen sind, versuchen sich zahlreiche Start-ups als Lieferanten für Apotheken und pharmazeutische Großhändler. In die wachsende Branche fließt dabei zunehmend auch mehr Risikokapital: Ende Januar erst hat Cannamedical aus Köln 15 Millionen Euro eingesammelt, beim Berliner Konkurrenten Farmako war es im Dezember eine siebenstellige Summe.

Ebenfalls einen Millionenbetrag hat sich nun Cansativa gesichert. Das Frankfurter Start-up teilte heute mit, Northern Swan als Geldgeber gewonnen. Der New Yorker Investmentfonds investiert weltweit in Unternehmen der Cannabisbranche. Die genaue Höhe des Investments wollte Cansativa-Mitgründer Jakob Sons auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer nicht nennen. Er erklärte aber, dass die Finanzierungsrunde noch nicht geschlossen sei – der Betrag könnte also noch aufgestockt werden.

Lieferanten aus Kanada und den Niederlanden

Der Rechtsanwalt hatte das Start-up im Mai 2017 zusammen mit seinem Bruder Benedikt und seinem Vater Hermann Sons gegründet. Das Trio beliefert eigenen Angaben zufolge derzeit Apotheken in Deutschland mit Cannabisblüten. Wie auch die Konkurrenten bezieht das Start-up seine Waren von Herstellern in den Niederlanden und Kanada.

Gestärkt durch die Finanzierungsrunde will Cansativa nun sein Portfolio ausweiten. Geplant sei, zunächst auch andere zugelassene Cannabis-Produkte wie Extrakte, Sprays und Kapseln in das Sortiment aufzunehmen, sagt Jakob Sons. Künftig, so die Vision, könnte das Familienunternehmen diese selbst aus Rohmaterialien herstellen: „Mittelfristig wollen wir eine eigene Marken aufbauen und als Lohnhersteller für andere Unternehmen arbeiten.“

Mitarbeiterzahl soll sich verdoppeln

Für die Pläne baut das Start-up gerade eine neue Betriebsstätte auf, die nach Einschätzung des Gründers in zwei bis drei Monaten eingeweiht werden kann. Die Mitarbeiterzahl soll sich auf 20 verdoppeln. Nötig sind zudem neue Genehmigungen – aktuell darf das Start-up zugelassene Cannabis-Produkte importieren, umfüllen und neu verpacken.

Laut Sons hat das Unternehmen bislang einen Import von jährlich einer Tonne Cannabis beantragt. Zum Vergleich: Cannamedical will in den kommenden drei Jahren 18 Tonnen nach Deutschland importieren. Wie das Handelsblatt kürzlich berichtete, haben seit dem März vergangenen Jahres insgesamt neun Unternehmen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Erhöhung ihrer Importmengen auf zusammen knapp 26 Tonnen beantragt.

Hoffen auf neue Lieferanten

Auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer betonte ein BfArM-Sprecher, dass die Genehmigungen keinen Rückschluss auf tatsächlich importierte Mengen zulassen. Tatsächlich bremsen derzeit weniger Behörden als eine Angebotsknappheit den Markt. Die Start-ups hoffen deswegen auf neue Lieferanten – etwa aus Israel. Die Regierung dort hatte im Januar den Export von medizinischem Cannabis grundsätzlich erlaubt. Auch auf Uruguay setzt die Branche große Hoffnungen.

Um die steigende Nachfrage zu bedienen, soll Cannabis zudem auch in Deutschland angebaut werden. Um eine entsprechende Zulassung hat sich Cansativa aber ebenso wenig beworben wie Cannamedical. „Für einen Großteil der Produzenten wird sich das wirtschaftlich nicht lohnen“, sagt Sons. „Die Produktionsmenge ist außerdem so niedrig angesetzt, dass weiterhin Importe nötig sein werden.“