Die Datenbanken des Start-ups informieren über neue Bauvorhaben. Das interessiert Unternehmen aus vielen Bereichen – und jetzt auch Investoren.

85.000 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr fertiggestellt – der höchste Wert seit 2002. Die Ambitionen von Politik und Gesellschaft sind noch deutlich höher, die Baubranche selbst kommt aktuell schon kaum mehr hinterher. Lange Verzögerungen und deutliche Preissteigerungen sind vielerorts die Folge.

Das ärgert viele Auftraggeber. Bauunternehmer und Immobilienentwickler profitieren jedoch von diesem Engpass. Und im Fahrwasser legen auch digitale Dienstleister in der Branche zu. 36 Prozent mehr digitale Ausschreibungen und Veröffentlichungen zu Bauvorhaben in Deutschland will das Start-up Building Radar im ersten Halbjahr des Jahres erfasst haben. Das Münchener Start-up bietet gegen eine Gebühr den Zugang zu einer Datenbank, in der diese Informationen über Neubauten, Sanierungen oder Gebäudeeinrichtungen aufbereitet werden.

Wissensvorsprung für Bau-Firmen und Dienstleister

Das ermöglicht den Unternehmen verschiedener Branchen, früher auf mögliche neue Kunden aufmerksam zu werden – und die knappen Kapazitäten auf lukrative Projekte zu konzentrieren. „Vom Fußboden über Beleuchtung bis hin zum Putzdienst – die Hersteller dieser Produkte sind unsere Kunden“, berichtet Produktchef und Mitgründer Raoul Friedrich gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.  Besonders eng arbeite man mit Generalunternehmen zusammen: „Diese müssen typischerweise extrem früh von einem Bauvorhaben wissen, um Ihre Leistung zu positionieren.“

Investoren setzen darauf, dass der Bau-Boom bei der digitalen Projektdatenbank noch lange für einen Aufschwung sorgt. Fünf Millionen Euro fließen in einer Wachstumsfinanzierung an Building Radar. Geld kommt unter anderem von Alexander Samwer, der sich mit seiner Investmentgesellschaft Picus Capital auf die Immobilienbranche konzentriert. Auch die Risikokapitalgeber Astutia Ventures und Vito One legen erneut Geld nach.

Benkos Konzern steigt ein

Angeführt wird die aktuelle Finanzierungsrunde von Ferdinand Oetker sowie der österreichischen Signa Innovations. Die ist Teil der Signa-Unternehmensgruppe – hinter der der österreichische Immobilienunternehmer und Kaufhausbesitzer Ralf Benko steckt. Building Radar ermögliche seinen Kunden, „potenzielle Projekt frühzeitig gezielt zu erkennen“, lobt Signa-Innovations-Chef Jürgen Fenk.

Das zusätzliche Kapital soll Building Radar jetzt beim Sprung ins Ausland helfen. Zuerst stehen englischsprachige Märkte im Fokus – neben Nordamerika mit USA und Kanada stellt das Start-up mit einem aktuell 45-köpfigen Team auch erste Mitarbeiter für Großbritannien ein. „Natürlich gibt es in allen drei Ländern bereits etablierte und sehr große Player, die allerdings nicht den technischen Vorteil bieten können“, sagt Friedrich.

Vor der Konkurrenz ist Building Radar jedoch nicht bange: „Natürlich ist es als Unternehmen im Ausland trotzdem schwer in diese Märkte einzutreten, diese Herausforderung wollen wir mit Programmen wie dem German Accelerator begegnen“, sagt Friedrich. Ab Oktober ist Building Radar Teil des staatlich geförderten Programms, das Start-ups mit Büroflächen und seinem Netzwerk beim Sprung auf den amerikanischen Markt helfen will.