Das will der Börsenverein nun nicht nur seinen eigenen Mitgliedern klar machen, sondern auch nach außen tragen. Dazu hat er vor rund drei Monaten den Branchen-Inkubator Contentshift gegründet. Das Programm unterstützt Start-ups nicht nur finanziell, sondern führt sie in die teilweise sehr traditionsbewusste Verlagsgesellschaft ein.

Michael Adam ist Jury-Leiter von Contentshift und Geschäftsführer von Storydocks, einer Oetinger-Tochter, die digitale Produkte und Geschäftsmodelle für die Verlagsbranche entwickelt. Er hat den Umgang mit der Digitalisierung in der Branche über Jahre begleitet und sagt: „Die Offenheit in der Branche hat deutlich zugenommen. Und gerade an Geschäftsmodellen im B2B-Bereich, die die klassische Arbeit der Verlage unterstützen, herrscht enormer Bedarf.“

Einen leichten Start haben Start-ups im Verlagswesen allerdings dennoch nicht. Die Buchbranche ist von ihrem Wesen hier träge. Es gibt  jeweils einen Katalog mit Neuerscheinungen im Frühjahr und einen im Winter. Genauso ist es mit den Messen. Die Branche plant von der Leipziger Buchmesse zur Frankfurter und umgekehrt. Und bis ein neues Buch auf den Markt kommt, kann es auch mal anderthalb Jahre dauern, bis Lektorat und alle Marketing-Vorbereitungen abgeschlossen sind.

Für Start-ups sind solche Zeiträume ein Problem. Sie planen von Monat zu Monat und sie brauchen schnell Ergebnisse – sonst können sie nämlich kein Geld verdienen.

Um diese zeitlichen Differenzen zu überbrücken, braucht es geduldige Geldgeber – und die zu finden, ist wiederum gar nicht so einfach. Vielen Häusern ist der Gedanke, Wagniskapital an junge Unternehmen zu geben, noch fremd. „Viele haben sich mit dieser Art von Innovationsförderung lange Zeit gar nicht beschäftigt“, sagt Dorothee Werner vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Schon vor drei Jahren hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels daher einen sogenannten Start-up-Club gegründet – ein erster Versuch, Gründer und Verleger durch regelmäßige Treffen zusammenzubringen. Das Contentshift-Programm soll nun dafür sorgen, dass nicht nur das Interesse, sondern auch die Zahlungsbereitschaft in der Branche steigt.

Für Gründer von Wendt hat sich die Teilnahme auf jeden Fall gelohnt, selbst wenn es bei der Frankfurter Buchmesse nicht zum „Content-Start-up des Jahres“ reichen sollte. „Das wäre natürlich das Sahnehäubchen, aber auch so haben sich für uns viele Türen geöffnet“, sagt von Wendt. Das junge Unternehmen hat bereits feste Kooperationen mit Piper, dem Berlin- und dem Aufbau-Verlag aufgebaut. DuMont und Kiepenheuer&Witsch folgen als weitere Partner im Frühjahr.