Das Konzept sei keine Goldgrube, aber es funktioniere. „Anfangs mussten wir mit Gründerzuschuss und einem sehr geringen Gehalt auskommen. Heute können wir gut von unserem Geschäft leben und haben eine angestellte Aushilfe“, berichtet Simon. Andere Buchbinder sind ähnlich einfallsreich und vertreiben ihre Produkte online, sogar mit eigenem Konfigurator. Die Digitalisierung als Freund statt als Feind.

Videothek mit Beachvolleyballfeld

Auch Ronny Meißner hat mit seinem Beruf angefangen, als die Welt noch anders aussah. Und auch ihm macht die Digitalisierung zu schaffen. Der 32-Jährige betreibt seit drei Jahren die Filmoase, eine Videothek in der Leipziger Plattenbausiedung Grünau. „Meine erste Videothek habe ich 2003 aufgemacht“, berichtet der gelernte Facharbeiter für Lagerwirtschaft. Trotz guter Vorbereitung mit Existenzgründerseminaren und Weiterbildungen schloss er das Geschäft wenig später. Die Lage war nicht gut genug. Mehrere weitere Versuche folgten – und scheiterten: Mal war die Miete langfristig zu teuer, mal ein Franchise-Konzept nicht rentabel genug.

Dann begannen Filmfirmen, ihre DVDs vorm Verleih in den Verkauf zu bringen. Und es kam Video-On-Demand. „Nach der letzten Videothek habe ich durchaus überlegt, ob ich es nun endlich sein lasse“, berichtet Meißner. „Aber die bisherigen Läden waren ja alles in Anführungszeichen „normale“ Videotheken.“ Bei der Filmoase wollte er es anders machen.

Sein neues Geschäft bezeichnet Meißner als Erlebnisvideothek. Die Ausstellungsfläche für die DVDs ist im Vergleich zu früher gering. Dafür gibt es auf dem 3000 Quadratmeter großen Außengelände ein Beachvolleyballfeld mit Bar. Im Innenbereich hat der Gründer eine Lounge mit Leinwand und Beamer für Public Viewing und Filmvorführungen eingerichtet. „Im Sommer, wenn in Videotheken allgemein nicht viel los ist, kommen die Gäste zum Volleyballspielen, trinken etwas und nehmen dann aber abends noch eine DVD mit“, erzählt Branchenretter Meißner.