Die Wagniskapitalfirma besetzt mit einem neuen Frühphasenfonds ein Segment, das viele Geldgeber lange eher gemieden haben.

Intelligente Roboter, neuartige 3D-Drucker, Quantencomputer, Software für die Prozessoptimierung: Es sind Innovationen wie diese, die btov Partners mit seinem „Industrial Technologies Fonds“ in den Blick nimmt. Wie der Wagniskapitalgeber, der mit Büros in Berlin Luxemburg, München und St. Gallen vertreten ist, heute bekannt gegeben hat, ist die Investorensuche für den neuen Fonds nun abgeschlossen. Eingeworben wurden die erhofften 100 Millionen Euro.

Damit ist die Strategie von btov aufgegangen, mit einem vergleichsweise spitzen Konzept um Geldgeber zu buhlen. Größter Einzelinvestor war nach Angaben der Venture-Capital-Firma der von der EU-Kommission und der Europäischen Investitionsbank initiierte Europäische Investment Fonds (EIF). Mit der NRW Bank und der LfA Förderbank Bayern sind zwei weitere staatliche Geldgeber an Bord. Den in Summe größeren Anteil stemmen indes private Geldgeber – darunter Industrieunternehmen, Familiy Offices, Stiftungen und Einzelinvestoren.

Viele Beteiligungsmöglichkeiten

„Das breite Interesse zeigt, dass wir nicht die einzigen sind, die in dem Segment ein großes, oft noch ungenutztes Potenzial sehen“, sagte btov-Partner Robert Gallenberger im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Rund 1000 Beteiligungsmöglichkeiten im Jahr habe man in Europa ausgemacht – aber wenig VC-Firmen, die das Feld besetzen. „Industrie-Start-ups haben bei vielen Geldgebern völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf.“

Weit verbreitet sei das Vorurteil, dass industrienahe Gründungen weniger effizient mit Kapital umgehen, als reine Software-Start-ups oder solche die auf Endverbraucher zielen. Denn: Vor allem Hardware treibt den Kapitalbedarf schon bei der Produktentwicklung nach oben. „Dem steht aber die Tatsache gegenüber, dass Marketing-Budgets deutlich kleiner ausfallen als bei B2C-Start-ups und die Kundenbeziehungen stabiler sind“, argumentiert Gallenberger. Auf lange Sicht könnten Investoren sogar mit einem höheren Ertrag für das eingesetzte Geld rechnen.

Wachsende Exit-Erlöse

Ein Indiz dafür, dass das Interesse des Kapitalmarkts an Industrie-Start-ups wächst, sind die steigendenden Exit-Volumina. Summierten sich die Erlöse von Verkäufen oder Börsengängen industrienaher Start-ups zwischen 2010 und 2014 noch auf fünf Milliarden Euro, hat sich der Betrag laut einer btov-Analyse in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Betrachtet wurden insgesamt 191 Exists in Europa, an denen VC-Firmen beteiligt waren.

Mit Zahlen wie diesen will btov auch Spätphaseninvestoren anlocken – nach Einschätzung Gallenbergers eine wesentliche Herausforderung für die kommenden Jahren. Zwar entdeckten immer mehr internationale Fonds Tech-Unternehmen in Europa für sich. „Wir müssen aber klar machen, dass man nicht dieselben Kriterien wie bei B2C-Start-ups zugrunde legen darf.“

Btov selbst will sich an einzelnen Start-ups in frühen Phasen mit jeweils einer Million bis drei Millionen Euro beteiligen – mit der Option, in späteren Finanzierungsrunden aufzustocken. Fünf Investments hat der neue Fonds, der im Mai schon 80 Millionen Euro verwalten konnte, bereits getätigt. Unter den Beteiligungen ist etwa die KIT-Ausgründung HQS Quantum Simulations und das auf die Überwachung von Lieferketten spezialisierte Start-up Synfioo.