Nöll zeigt sich trotzdem optimistisch, dass Berlin auch dank Brexit Platz eins erobern kann. Schon 2015 lag die Hauptstadt beim Wagniskapital für Wachstumsfirmen vor London – allerdings auch dank einzelner großer Finanzierungsrunden der Gründerschmiede Rocket Internet. Seither sieht sich Berlin am Drücker.

Deutschland müsse aber nachlegen, sagt Nöll. Es gelte, mehr privates Kapital für Start-ups zu mobilisieren, mehr IT-Fachkräfte an Universitäten auszubilden und sich für die Zuwanderung von Experten einzusetzen: „Wenn Trump gerade die Einwanderung erschwert und den besten Talenten sagt, wir wollen euch nicht, müssen wir aufstehen.“

Auch die Deutschen Börse sieht Mängel: Es gebe zu wenig Gründergeist,steuerliche Förderung von Start-ups und Erleichterungen beiVorschriften, heißt in einer Studie. Deutschland habe als Gründer-Standort Fortschritte gemacht und großes Potenzial, „hinkt im globalen Vergleich aber in relevanten Punkten den Schwergewichten Großbritannien, Israel und Kalifornien hinterher“.

Franzke von Berlin Partner fordert mehr Geduld, bis sich größere Brexit-Effekte einstellen könnten. Immerhin müssten bei Umzügen von Start-ups viele Formalitäten bis hin zum Familiennachzug geregeltwerden. „Ein Jahr ist da noch keine lange Zeit.“

dpa