Das Finanztechnologie-Start-up Duedil hat seit 2011 jährlich seine Belegschaft verdoppelt. 20 Prozent der Beschäftigten kommen aus anderen EU-Staaten. Die Firma wächst viel zu schnell, um die Klärung des künftigen Verhältnisses zwischen Großbritannien und der Europäischen Union in aller Ruhe abwarten zu können. Deshalb hat die Geschäftsführung auf die Schnelle einen Plan für ein EU-Büro aus dem Boden gestampft. In den kommenden Wochen soll entschieden werden, ob es in Dublin, Berlin oder einer anderen Stadt angesiedelt sein wird. „Ohne den Brexit hätten wir bestimmt weitere Leute in London eingestellt“, sagt Geschäftsführer Damian Kimmelman.

Im Fall von Bewerbern aus Nicht-EU-Staaten ist das schon heute teuer für die Firmen. Pat Saini von der Anwaltskanzlei Pennington Manches spricht von mindestens 5000 Pfund (6000 Euro) pro Person für Visakosten und andere Gebühren. „Wenn das für EU-Bürger nach einem Brexit genauso teuer wird, dann werden die Unternehmen, die auf Arbeitskräfte aus der EU angewiesen sind, länger auf Mitarbeiter warten und mehr für sie zahlen müssen“, erklärt sie.

Duedil profitiert

In mancher Hinsicht macht sich die Unsicherheit für die Start-ups aber auch positiv bemerkbar. So hat Netz seit der Abstimmung vom 23. Juni nach eigenen Angaben vier Mal so viele Kundenanfragen verzeichnet wie zuvor. Vor allem Vermögensverwalter und Finanzberater bitten Netz um Daten über mögliche neue Kunden. Und einer der fünf Investoren, die ihr Engagement bei dem Start-up aussetzten, änderte inzwischen seine Meinung und kehrte trotz der Unsicherheit zu Netz zurück.

Duedil konnte innerhalb von zwei Tagen drei Verträge mit US-Kapitalgesellschaften abschließen, die vom Absturz des britischen Pfunds profitieren wollen. Sie kauften sich Zugang zur Datenbank von Duedil, die Informationen über Privatunternehmen in Großbritannien liefert.