Ein italienischer Konzern zahlt eine dreistellige Millionensumme für das in München gegründete Start-up. Der Verkauf zeigt die besonderen Logiken des Risikokapitals in der Pharmabranche.

Per Inhalator gegen die Gefahr: Breath Therapeutics arbeitet an einem Wirkstoff, der schwere und häufig tödlich verlaufende Lungenerkrankungen bekämpfen soll. Das noch keine drei Jahre alte Pharmaunternehmen mit Standorten in München und Menlo Park hat ab sofort einen italienischen Eigentümer. Das familiengeführte Pharmaunternehmen Zambon übernimmt das Start-up für mindestens 140 Millionen Euro.

Der Deal zeigt die Besonderheiten des Einsatzes von Risikokapital in der Pharmabranche. Üblich sind hier lange und teure Entwicklungszyklen. Wirkstoffe oder Medizingeräte müssen entwickelt, getestet und zugelassen werden, bevor sie tatsächliche Umsätze erzielen.

Forschung wird in Pharma-Start-ups ausgelagert

Das Risiko von Geldgebern ist somit deutlich höher – bei Software-Start-ups lassen sich in der Regel schon nach kürzerer Zeit erste zahlende Kunden gewinnen. Parallel ist die Pharmabranche unter Druck. Steigende Preise sorgen für Kritik von Politik und Kostenträgern. Gleichzeitig ist gerade die Entwicklung von Medikamenten für bislang unbehandelte Krankheitsbilder eine riskante Wette.

Häufig treffen sich Pharmabranche und Risikokapitalgeber dabei auf halbem Weg. Breath Therapeutics etwa ist eine Ausgründung des Medizingeräteherstellers Pari Pharma aus Starnberg. So kann das Risiko auf dieses Projekt fokussiert werden. Gleichzeitig kann sich die Ausgründung unabhängig von schwerfälligen Konzernstrukturen entwickeln. Die Pharmabranche lagert so Teile ihrer Entwicklungsarbeit aus – und zahlt dafür einen Aufpreis im Erfolgsfall. Viele Unternehmen wie Bayer oder Merck haben eigene Investmentgesellschaften gegründet, die den Markt nach spannenden Start-ups durchsuchen.

Bis zu 500 Millionen Euro für Breath Therapeutics

An der neu gegründeten Breath Therapeutics beteiligten sich Anfang 2017 zum einen Sofinnova Partners und Gilde Healthcare, zwei auf die Pharmabranche spezialisierte Venture-Capital-Gesellschaften. Dazu floss Geld von Gimv. Die Private-Equity-Gesellschaft ist auch an Start-ups aus anderen Branchen beteiligt, in Deutschland etwa an Smart Batteries Solutions. Insgesamt kamen so in der Wachstumsfinanzierung bereits mehr als 40 Millionen Euro zusammen.

Breath Therapeutics hatte das Geld eingesammelt, um sogenannte Phase-III-Studien starten zu können. Das sind bereits Testrunden mit einer großen Anzahl von Patienten. Die Perspektiven daraus machten Zambon offensichtlich neugierig genug, die dreistellige Millionensumme zu garantieren.

Die Summe könnte sich noch deutlich erhöhen: Abhängig von Zulassungen und Verkaufszielen könne der Verkaufspreis auf bis zu 500 Millionen Euro ansteigen, heißt es in der Pressemitteilung. Auf ein ähnliches Modell setzt Boehringer-Ingelheim, die vergangene Woche die Übernahme von Amal verkündeten und dafür bis zu 325 Millionen Euro zahlen.