Fröhliche Finanzierungsmeldung sorgen zudem (wie auch bei WiWo Gründer zu sehen ist) für eine Öffentlichkeit und dienen häufig als Erfolgsnachweis. „Für das Recruiting können solche Meldungen hilfreich sein, aber ansonsten würden Investoren bei uns überwiegend für Ablenkung vom Tagesgeschäft sorgen“, sagt Behn.

Problematisch ist der Weg der eigenständigen Wachstumsfinanzierung auch, wenn ein lukrativer Exit eher kurzfristig angepeilt wird. Wo Investoren beteiligt sind, verlieren Gründer zwar Anteile – deren Wert aber wächst häufig schneller als beim Bootstrapping. „Wir haben kein Unicorn-Potenzial, vermute ich mal“, sagt Behn gelassen, „aber wenn ihnen 100 Prozent des Unternehmens gehören, dann brauchen sie das auch nicht.“

Gleichzeitig genießen die Gründer die Freiheiten für eigene Entscheidungen. „Wir brauchen da zum Glück keinen Dreijahresplan“, sagt Behn. Aktuell versucht die Kartenmacherei, den französischen Markt zu erobern – und gleichzeitig die Start-up-Kultur im gewachsenen Team nicht zu verlieren.

Von Leitner und Mitgründer Moritz Machner haben sich unterdessen einem weiteren Projekt angenommen, mit dem sie nicht allzu weit weg sind von Behns Kartenmacherei: Mit EchtPost wollen sie individualisierte Postkarten als Marketingmittel für kleinere Firmen populär machen. Die Idee stammt von einer befreundeten Kölner Gründerin – mit technischer Unterstützung ist das Produkt jetzt seit wenigen Wochen im Einsatz. Die ersten Kunden für Last-Minute-Weihnachtskarten konnten über die bestehende CRM-Plattform trotzdem gefunden werden. „Wenn da jemand Millionen drauf schmeißt, ist da ein ganz anderer Druck“, sagt von Leitner. „Wir können das jetzt leicht und langsam wachsen lassen.“