Das Start-up baut Software, mit denen Tickets zu Aktivitäten und Attraktionen leichter verkauft werden können. Auch in der Krise stellen Investoren dafür Kapital bereit.

Die Bootsfahrt boomt: 180 Prozent mehr Tickets für Fahrten mit dem Schiff wurden über die Systeme von Bookingkit verkauft. Das Start-up entwickelt Software, mit denen Anbieter von Touren, Events oder Attraktionen leichter Eintrittskarten verkaufen und Besucher managen können. Als im Frühjahr die Kontakte eingeschränkt wurden und Reisen nahezu unmöglich, brach das Geschäft der Berliner ein. Doch über den Sommer kam die Lust auf Ausflüge zurück – und trieb so die die Buchungszahlen bei Bookingkit wieder in die Höhe.

Doch die Pandemie und ihre Folgen wirkte sich unterschiedlich auf die verschiedenen Segmente aus. Aktivitäten in kleinen Gruppen oder an der frischen Luft – wie eben eine Bootstour – wurden stark nachgefragt. Enge Räume und zusammengewürfelte Menschenmassen wurden dagegen gemieden. Escape Rooms waren nach den Zahlen von Bookingkit mit minus 50 Prozent die größten Verlierer.

Das Geschäft schwankt mit den Einschränkungen

Auch wenn jetzt eine erneute Phase der Beschränkungen beginnt – das Start-up will nicht schwarzmalen. Das Weihnachtsgeschäft mit Gutscheinen für Aktivitäten und Touren könnte in die Höhe schnellen. „Wir gehen mit großem Respekt und großer Demut in die zweite Welle”, sagte Mitgründer Christoph Kruse in dieser Woche, „aber wir sind optimistisch, weil wir die Lernkurve aus dem Frühjahr mitnehmen können.”

In einigen Bereichen konnte das Start-up sogar neue Kunden erreichen: Über den digitalen Ticketverkauf lässt sich die Auslastung einer Destination leichter steuern als mit einem analogen Zähler am Eingang. Einfach ist das Geschäft trotzdem nicht. Sollten die Zahlen der Reisenden erneut oder dauerhaft einbrechen, sinken auch wieder die Erlöse bei Bookingkit. Und müssen kleine Anbieter in der Krise aufgeben, muss der Vertrieb neue Kunden auftun, um die Verluste aufzufangen. Getyourguide, auf dessen Portal Touren und Erlebnissen direkt gebucht werden konnten, wurde von ausbleibenden Buchungen hart getroffen – und konnte sich gerade eine Wandelanleihe über 114 Millionen Euro sichern.

Start-up will auch Weiterverkäufer von Tickets einbinden

Bookingkit setzt daher jetzt auch große Hoffnungen auf eine umfangreiche Erweiterung des Angebots. In diesen Tagen rollt das Start-up sein neues Modul „Reach” aus. Das soll den oft kleinen und lokalen Anbietern helfen, ihre Tickets leichter auch an anderen Stellen zu vermarkten – etwa über die Rezeption eines zentralen Hotels oder den Schalter der Touristeninformation. Die Software vereinfache die Buchung und die Abrechnung deutlich, verspricht Kruse: „Damit reduzieren wir den Zeitaufwand für Wiederverkäufer um circa 90 Prozent und komplexe Abrechnungsprozesse werden obsolet – und plötzlich rechnet sich die Provision für eine gesamte Branche!” Zugleich hofft das Start-up mit aktuell rund 100 Mitarbeitern, über diese Erweiterung auch selbst einen größeren Kundenkreis erschließen zu können.

Das Kapital für die nächste Etappe sollte dabei gesichert sein. Anfang September hatte Bookingkit eine Finanzierungsrunde in nicht genauer bezifferter Millionenhöhe gesichert. Das Geld stammte dabei von den bestehenden Gesellschaftern: Die Intermedia Vermögensverwaltung, Müller Medien, der High Tech Gründerfonds und private Investoren hatten bereits eineinhalb Jahre zuvor eine Millionensumme für das Start-up bereitgestellt.