Das auf Bonitätsbewertungen spezialisierte Start-up erweitert den Gesellschafterkreis – und bekommt dafür ein millionenschweres Budget für Fernsehwerbung.

Im Online-Shop wird der Rechnungskauf nicht mehr angeboten, das Carsharing-Unternehmen lehnt den Vertrag ab – und die Bank vergibt keinen Kredit: Darauf, wie wichtig Bonitätsbewertungen für Verbraucher im Alltag sind, macht derzeit ein Werbespot im Privatfernsehen aufmerksam. Der Absender ist Bonify. Das Berliner Start-up positioniert sich als kundenfreundliche Alternative zur Auskunftei Schufa – und verspricht, darüber hinaus per App beim Management der Finanzen zu helfen.

Zu sehen sind die Spots mit dem Titel „Jeder Mensch hat eine Zahl“ seit dem Jahreswechsel. Wie nun bekannt wurde, ging der Werbeoffensive des Berliner Fintechs eine Finanzierungsrunde voraus. Die Besonderheit: Die neuen Gesellschafter haben für ihre Firmenanteile nicht, wie es sonst die Regel ist, Geld überwiesen, sondern dem Unternehmen ein Werbebudget gegeben. Involviert in diesen „Media for Equity“-Deal waren der ProSiebenSat.1 Accelerator und German Media Pool (GMPVC).

TV als Wachstumshelfer

Während erstgenannter Investor Bonify Präsenz bei den Sendern ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins verschafft, weist GMPVC den Sender RTL2 als wichtigsten TV-Partner vor. Die unabhängige Wagniskapitalfirma kooperiert zudem mit den Spartensendern Sport1 und Deluxe Music, mehr als 50 Radiosendern, Außenwerbungsfirmen und Print-Verlagen. Das Geschäftsmodell: Wird ein Start-up später verkauft, werden die Partner anteilig zum Wert der zur Verfügung gestellten Werbeplätze am Gewinn beteiligt. Der Brutto-Wert des Werbebudgets bei Bonify hat laut GMPVC insgesamt einen Wert von mehr als einer Millionen Euro.

Dass die German Media Group und ProSieben Sat.1 gemeinsame Sache mache, ist kein Novum: So hatten beide etwa den digitalen Autoversicherer Friday zu einer größeren Bekanntheit verholfen. Grundsätzlich ist der Tausch von Anteilen gegen Werbeplätzen vor allem attraktiv für Start-ups, die sich an Endverbraucher wenden – und schnell bekannt werden wollen. Fernsehen sei nach wie vor „ein sehr leistungsstarkes Medium“, um sehr hohe Reichweiten in kurzer Zeit aufbauen, sagt Bonify-CEO Gamal Moukabary. Das Start-up wolle aber auch verstärkt in andere klassische Medien investieren – ergänzend zum Onlinemarketing.

Provisionen von Partnern

Eigenen Angaben zufolge hat das Start-up bisher über 850.000 Nutzer und beschäftigt inzwischen über 30 Mitarbeiter. Bonify lockt damit, dass Verbraucher jederzeit online ihre eigene Bonitätsbewertung und Einschätzung zur Kreditwürdigkeit einsehen können. Dazu kooperiert Bonify mit dem Schufa-Konkurrenten Creditreform Boniversum. Wird die App mit dem Bankkonto verknüpft, lässt sich zudem eine Mieterauskunft erstellen – bei der Bewerbung um eine Wohnung wird ein solcher Nachweis vielfach gefordert. Die Besonderheit: Bonify bietet diese kostenlos an, während die Schufa dafür beispielsweise knapp 30 Euro verlangt.

Geld verdient Bonify über Provisionen von Partnern: Die App durchleuchtet etwa das Konto nach Strom-, Gas- oder DSL-Verträgen – und schlägt günstigere Angebote vor. Auch Kredite, private Krankenversicherungen und ähnliches vermittelt Bonify. Für den (optionalen) Zugriff auf Kontodaten hat sich das Start-up im vergangenen Sommer von der Finanzaufsicht Bafin als Kontoinformationsdienstleister lizenzieren lassen.

Konkurrenz aus München

Das Geschäftsmodell hat schon finanzstarke Investoren überzeugt. So sind Anfang 2017 die Wagniskapital-Töchter der Großbank Santander und der Wirtschaftsauskunftei Experian bei Bonify eingestiegen. Zu den weiteren Geldgebern gehören Mosaic Ventures, Index Venture sowie die Gründer von Zalando und Raisin. Inklusive dem Media-Wert der jüngsten Finanzierungsrunde hat Bonify laut Moukabary seit der Gründung 2015 rund 15 Millionen Euro an Wagniskapital eingesammelt.

An einem konkurrierenden Dienst arbeitet ein Start-up in München: It’s my data stellt ebenfalls Bonitäts-Zertifikate aus. Dafür stellen die Newcomer zwar sieben Euro in Rechnung, beziehen dafür aber die Bewertungen von vier Auskunfteien ein – darunter auch von der Schufa. Aufbereitet werden dazu die Auskünfte nach der Datenschutzgrundverordnung, die für Verbraucher kostenlos sind und die Nutzer dem Start-up in gescannter Form zur Verfügung stellen.