“Killer-Startup” oder “Luftschloss”? Selten lagen die Einschätzungen so auseinander, wie gerade beim Start-up Kelsen. Der Wochenrückblick.

Kelsen versprach mit Big Data und lernenden Algorithmen eine Online-Rechtsberatung in Echtzeit. Und überzeugte mit seiner Vision eines „Wolfram Alpha der Rechtsbranche” unter anderem die Macher des Microsoft Accelerators. Doch nun musste  Gründer Sergio Aragón sich erst einmal selbst gegen eine Klage verteidigen und mit seinem Start-up einen Rückschlag hinnehmen. Das Portal Frag-einen-Anwalt war gegen Kelsen vorgegangen.

„Wie in einem Verfahren vor dem Landgericht (LG) Berlin offenbar wurde, verbarg sich dahinter jedoch keineswegs ein neuartiger und potentiell revolutionärer Algorithmus nebst allumspannender Quellensammlung, sondern vielmehr eine bei den Konkurrenten justanswer.de und frag-einen-anwalt.de zusammengeklau(b)te Häufung von Antworten, die thematisch oft keinerlei Bezug zur gestellten Frage aufwiesen“, schreibt die „Legal Tribune Online“. Auch „Deutsche Startups“ erklärt Kelsen daher zum „Luftschloss“.

Gründer Aragón zeigt derweil, dass er selbst Anwalt ist und übt sich bei „Gründerszene“ in der Auslegung von Feinheiten.  So hätte „zu keinem Zeitpunkt ein Richter über den Rechtsstreit entschieden“, sondern der Rechtsstreit sei durch eine Anerkenntnis beendet worden. „Kelsen hat also durchaus noch die Chance, ein Killer-Startup zu werden“, urteilen die Kollegen.

Bis dahin dürfen sie freilich nicht mehr behaupten, dass bei Kelsen „mithilfe innovative[r] Analysemethoden […] relevante Informationen gewichtet und ausgewertet [werden], um passende Antworten bereitzustellen“. Und auch die bisher verfügbare Testversion ist vom Beta-Modus auf „Coming Soon“ zurückgestuft. Die Legal Tribune ist in ihrer Einschätzung des Falles pragmatisch: Zumindest sei das “Aussterben des Berufsstandes auf unbestimmte Zeit vertagt”.
Home24 wurde in dieser Woche zu einer AG – vorher gab es noch eine Finanzierungsrunde für das Start-up aus der Rocket Internet-Schmiede. Nun darf man spekulieren, ob das Unternehmen womöglich nicht bald an die Börse geht. Momentan hält Rocket Internet noch 49,6 Prozent des Unternehmens.

Auch Kreditech wurde oft als Börsenkandidat gehandelt, nun werden die Planungen bei den Hamburger Big-Data-Kreditvermittlern offenbar konkreter. „Ich denke, dass wir Ende dieses Jahres, spätestens im Sommer 2016 börsenfähig und wahrscheinlich auch börsenreif sind”, sagte nun Kreditech-Finanzchef Rene Griemens. Wann das Marktdebüt letztlich erfolge, entschieden aber die Investoren des Unternehmens, die hauptsächlich aus den USA kommen.

In Hamburg gibt es seit dieser Woche einen Medien-Accelerator: Für das sechsmonatige Programm dürfen sich Start-ups aus mediennahen Bereichen bewerben, die mit mediennahmen Inhalten und der Werbung sowie entsprechenden Dienstleistungen und Lösungen aktiv sein wollen. Der next media accelerator wird die Entwicklung junger Unternehmen mit Geschäftsideen in mediennahen Feldern intensiv begleiten und fördern. Er ist eine Initiative der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH mit Unterstützung des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, heißt es in einer Mitteilung.