Mit der „Start-up Garage“ will BMW junge Unternehmen anlocken – nicht nur aus dem Autobereich. Allerdings bleibt die Frage, ob sich der Versuch bewährt.

Von Johanna Küppers

Wie viele Großunternehmen buhlen auch die Autokonzerne gerade massiv um Start-ups. Auf der Suche nach neuen Ideen für das Digitalzeitalter veranstaltete VW kürzlich erstmals einen Start-up-Pitch. Und BMW startet schon die zweite Initiative.  Bereits vergangenes Jahr hatte der Konzern in Zusammenarbeit mit der TU München das Accelerator-Programm „TechFounders“ ins Leben gerufen.

Mit der „Start-up Garage“ will der Konzern nun „das Potenzial besonders innovativer Start-up-Unternehmen ohne Umwege nutzen“. Mit dem Ziel, einen funktionalen Prototypen, der für die BMW Group nützlich sein könnte, zu entwickeln, durchlaufen ausgewählte Start-ups ein mehrmonatiges Programm.

Das Projekt soll zwar neue, dennoch aber schon etwas reifere  Start-ups anziehen und letztlich in den Großkonzern integrieren. BMW bietet dabei sein ganzes Repertoire an Hardware, Infrastruktur und vor allem an Kontakten an. Das mache den Reiz für junge Unternehmen aus, sagt Matthias Meyer, einer der Mitbegründer der „Start-up Garage“. Die Bewerbungsphase startete vergangene Woche.

Wer sich für das mehrmonatige Programm bewerben möchte, muss sich über eine Applikation auf der Homepage des Unternehmens registrieren. Meyer sagt, sie hätten bereits vorher sehr viele Bewerbungen bekommen und konnten sich so einen guten Überblick verschaffen. Bis Ende Mai können sich nun alle Start-ups offiziell bewerben. Der Mitbegründer erklärt, wenn man diese erste Runde hinter sich habe, gehe man mit ausgewählten Kandidaten in weitere Auswahlrunden. Man entwickle gemeinsam einen funktionalen Prototyp der mit BMW Anwendungen kompatibel sei. Bis Mitte beziehungsweise Ende Juli würden die Bewerber eine endgültige Zu- oder Absage darüber erhalten, ob sie bei dem Projekt dabei sind. Ab September soll es losgehen.

Anders als die Vorgänger-Programme soll die BMW Start-up Garage in eine ganz andere Phase der Unternehmensführung eingreifen. „In unserem Idealbild ist das Team schon etwas reifer, das Start-up muss gegründet sein. Vor allem sollte es schon einen ersten Prototypen vorweisen können und nicht nur eine Idee im Kopf haben“, sagt Meyer.

Er erklärt weiter, dass sich BMW bei der Auswahl der Jungunternehmer auch seine weltweiten Standorte zu Nutze mache. Doch auch wenn Ideen aus dem Ausland gerne willkommen seien, wäre es wichtig, dass auch diese Unternehmen eine Präsenzzeit im Hauptstandort München haben. Nur dort könne man den gewünschten Mehrwert liefern, etwa durch die Nutzung von Testvorrichtungen.

Bewerben kann sich jeder: Dabei wird nicht zwischen Start-ups aus der Automobilbranche und denen aus anderen Industrien unterschieden. Wichtig allein sei, dass die Ideen auf fahrzeugtechnische Anwendungen übertragbar sind, so Meyer. Weiter verdeutlicht er: „Wir würden am liebsten mit Start-ups arbeiten, bei denen wir der erste potenzielle Kunde sind. Dabei ist es nicht so wichtig, ob die Start-ups direkt aus der Automobilindustrie kommen oder aus einer anderen Branche.“

Für Meyer ist besonders der Prozess der Ideenfindung spannend. Er ist neben Gregor Gimmy und Thomas Wagner einer der Mitbegründer des neuen Vorhabens. Für ihn persönlich hat das Projekt eine ganz besondere Bedeutung: „Die BMW Group beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Open Innovation und hat zahlreiche Initiativen und Projekte hierzu ins Leben gerufen. Seit etwa zwei Jahren arbeiten wir am Konzept der BMW Start-up Garage. BMW sieht großes Potenzial, die Innovationskraft von Start-ups stärker zu nutzen und partnerschaftlich die Herausforderungen im Bereich Mobilität zu meistern. Darüber hinaus ist auch die schnelle und agile Arbeitsweise der Start-up Unternehmen für uns wichtig, denn wir profitieren vom direkten Austausch mit ihnen.“

Außerdem fügt er hinzu, dass jeder einzelne Mitarbeiter von dem frischen Wind profitieren würde, es mache immer wieder Spaß neue Themen zu diskutieren. Fasziniert sei Meyer auch von der Kultur die Start-ups mit sich bringen. Deren Innovation, Kreativität und Risikobereitschaft, müsse man versuchen in das große Unternehmen zu integrieren. Der Vorstand stehe voll hinter der Idee. Wie das gelingt und was die Start-ups dem Unternehmen wirklich bringen bleibt freilich abzuwarten.