Das Münchener Lidar-Start-up sammelt viele Millionen ein – und baut eigene Produktionslinien auf. Einige der Investoren leiden massiv unter der Coronakrise, Blickfeld selbst bleibt noch optimistisch.

Eine „sehr herausfordernde Marktlage“ vermeldete Continental in der vergangenen Woche – und kündigte in der Coronakrise den Produktionsstopp in einigen Werken an. Parallel wurde bekannt, dass sich der Automobilzulieferer an einem Industrie-Start-up aus München beteiligt: Die Venture-Capital-Tochter von Continental führt eine aktuelle Finanzierungsrunde bei Blickfeld an. Das 2017 gegründete Unternehmen arbeitet daran, sogenannte Lidar-Sensoren kostengünstiger herzustellen. Die Technologie hilft dabei, die Umgebung in Echtzeit abzutasten und zu analysieren – wichtig etwa für das autonome Fahren, aber auch für Smart-City-Projekte wie eine intelligente Verkehrssteuerung. Doch noch gelten die Sensoren als zu teuer für die Massenproduktion.

Blickfeld will das ändern. Die Summe der aktuellen Finanzierungsrunde wird nicht kommuniziert. Nach der Zehn-Millionen-Euro-Runde vor eineinhalb Jahren kann man jedoch von einem deutlich zweistelligen Millionenbetrag ausgehen. Neben Continental haben bestehende Geldgeber wie Fluxunit (dahinter steht Lichtspezialist Osram), der High-Tech Gründerfonds, Tengelmann Ventures und Unternehmertun Venture Capital Partners erneut investiert. Neu dazu kommt auch der Wachstumsfonds Bayern, der von der staatlichen Beteiligungsgesellschaft Bayern Kapital verwaltet wird.

Vom Start-up zum Produktionsbetrieb

Das frische Geld will Blickfeld nun vor allem nutzen, um mit den Lidar-Sensoren tatsächlich in die Serienfertigung zu gehen. Für industrielle Anwendungen steht bereits eine erste kleine Produktionsstraße. Die soll bei voller Auslastung pro Jahr 200.000 Sensoren fertigen können. Noch läuft die Produktion, die an eine Kamerafertigung angelegt ist, jedoch nicht auf Hochtouren: „Wir richten die Linie aktuell ein und können so Erfahrungen sammeln“, sagt Florian Petit, Mitgründer von Blickfeld. Im nächsten Schritt soll dann auch eine Serienfertigung für die Automotive-Sensoren entstehen.

Strategisch verändert sich die Arbeit des Start-ups mit dem Aufbau eigener Produktionskapazitäten deutlich. „In der Entwicklung geht es darum, kreativ zu sein“, sagt Petit, „jetzt geht es darum, verlässlich immer wieder etwas anzuwenden.“ Neben Entwicklern und Ingenieuren sind jetzt auch neue Spezialisten in dem aktuell gut 100-köpfigen Team gefragt. Dabei sei es ein Vorteil, in einem Land mit viel Produktionsexpertise zu sitzen, sagt Petit. „Im Silicon Valley wäre das sicher nicht so einfach.“

Noch keine Auswirkungen der Coronakrise

Von der Coronakrise, die die Automobilbranche aktuell schwer leiden lässt, spüren die Münchener indes noch nicht. In der Verwaltung ist Home-Office angesagt, in den Laboren wurden Abstandsregelungen eingeführt. Von Kurzarbeit, die auch viele Unternehmen in diesen Tagen für ihre Mitarbeiter anmelden, ist Blickfeld nach eigenen Angaben weit entfernt. „Wir geben Vollgas“, sagt Petit.

Seiner Einschätzung nach profitiert das Start-up von den sehr langfristig angelegten Projekten. Die Serienfertigung mit Lidar-Sensoren ist noch Jahre entfernt, Entwicklungsprojekte haben zum Teil mehrere Monate Vorlauf. Was auf das Start-up zukommen könnte: Automobilhersteller und -zulieferer könnten Treffen und Projekte zeitlich verschieben. „Das müssen wir koordinieren“, sagt Petit, „da sind wir gerade dabei, uns eine Übersicht zu verschaffen.“