Die heutige Newscase-Nutzeranzahl inklusive der kostenkosen Accounts ist laut Oberhof fünfstellig. Das Publikum sei älter als erwartet; im Durchschnitt knapp älter als 40 Jahre (und damit älter als bei Blendle). Im Oktober sei das Unternehmen erstmals profitabel gewesen.

Als nächstes will Newscase ausländische Märkte erschließen und die Algorithmen weiterentwickeln, damit die vorgeschlagenen Artikel individuell noch passender werden. „Wo man als Leser wirklich die Nachrichten bekommt, die einen interessieren, das wird wettbewerbsentscheidend werden“, meint Oberhof.

Konkurrenz durch Facebook, Apple und Google?

Tatsächlich scheint aktuell noch nicht entschieden, ob die Digitalkioske nebeneinander bestehen bleiben oder sich einer gegen die anderen durchsetzen wird. Es gibt sogar noch weitere Konkurrenten: zum einen von Digital-Kiosken, die Zeitungen und Zeitschriften als komplettes E-Paper anbieten, zum anderen von den großen Internetplayern, die wieder mehr Werbeeinnahmen für Online-Content versprechen lassen.

Zur ersten Gruppe: Beim Digitalkiosk Readly, 2012 in Schweden gegründet, gibt es Magazine und Zeitschriften als E-Paper-Komplettausgabe. Da Readly ebenfalls auf eine 9,99 Euro-Flatrate setzt, gehören zum Angebot vor allem niedrigpreisige Boulevardmedien wie Fernsehzeitungen und Frauenzeitschriften. Demnächst sollen laut Medienberichten aber ebenfalls Zeitungen zum Portfolio kommen. Andere Digitalkioske wie Bertelsmanns Pubbles und PagePlace von der Telekom waren mit der Vermarkung von Komplettausgaben gescheitert. Noch am Markt sind neben Readly Keosk, Zinio und der iKiosk von Axel Springer.

Zur zweiten Gruppe: Auch Facebook Instant Articles könnte eine Konkurrenz für Newscase und Pocketstory darstellen. Zwar verbreiten Verlage aktuell über Facebook keine Print-Artikel, sondern „nur“ ihren Online-Content. Und nicht die Nutzer zahlen, sondern das Ganze ist werbefinanziert. Aber nachdem im September zunächst nur Bild.de und Spiegel Online getestet haben beziehungsweise angekündigt haben, Instant Articles zu nutzen, ziehen nun weitere 25 Medien nach.

In die gleiche Richtung geht die App Upday von Springer und Samsung. Selbstverständlich mischt auch Google mit. Unter dem Namen Accelerated Mobile Pages (AMP) soll ab 2016 der rasche Zugriff auf Medienartikel möglich sein. Apple wird demnächst wohl ebenfalls in den deutschen Markt gehen. Die frühere App Newsstand, in Deutschland Zeitungskiosk, wurde in News umbenannt und erlaubt nun ähnlich den Facebook Instant Articles den schnellen Zugriff auf Medienartikel mit Multi-Media-Content. In den USA, Großbritannien und Australien ist sie bereits verfügbar.