Best of-Journalism statt Filterblase

Vom Konkurrenten Blendle haben Höge und seine Mitstreiter nach eigenen Angaben erst erfahren, als sie selbst schon im Gespräch mit Verlagen waren. „Als Blendle im Frühjahr 2014 in den Niederlanden online ging, haben wir das nicht so ernst genommen und den Fehler begangen, zu wenig auf uns aufmerksam zu machen“, sagt Höge heute. „Wir hätten damals lauter sein sollen.“

Allerdings unterscheidet sich Pocketstory von Blendle nicht nur mit dem Fokus auf Hintergrund-Geschichten. Zudem ist die Seite redaktionell gestaltet. Im unteren Teil erhalten User individualisierte Artikelvorschläge auf Grundlage bisheriger Käufe. Den oberen Teil hingegen kuratiert Pocketstory und zeigt Artikel-Tipps an. Dadurch sollen Leser nicht in der Filterblase hängen bleiben, sondern auch potentiell interessante Artikel links und rechts bisheriger Interessen wahrnehmen. „Wir versuchen, eine Art Best of-Journalism zu machen“, sagt Höge. „Content-Vermarktung kann nicht nur Data-Mining sein.“

Newscase: Spotify für Nachrichten

So sieht die Nutzungsoberfläche von Newscase aus. (Foto: PR/Newscase)

So sieht die Nutzungsoberfläche von Newscase aus.
(Foto: PR/Newscase)

Ein weiterer Blendle-Konkurrent aus Deutschland ist Newscase,  bis April unter dem Namen Niiu bekannt. Der Unterschied zu den anderen beiden Digitalkiosken: „Wenn sich Blendle und Pocketstory iTunes for News nennen, dann sind wir Spotify for News“, sagt Newscase-Gründer Wanja Sören Oberhof. Gemeint ist, dass Leser nicht pro Einzelartikel zahlen, sondern eine Flatrate haben. Für monatlich 9,99 Euro stehen 110 Medien zur Auswahl.

Ein weiterer Unterschied: Im Gegensatz zu Pocketstory gibt es bei Newscase nicht nur Print-Artikel in Digitalform, sondern auch Content aus dem Netz. Was auf den Homepages der Verlage kostenlos ist, bleibt Newscase ebenfalls kostenlos (werbefinanziert). Kostenpflichtig sind Online-Texte, die bei den Verlagen selbst hinter einer Paywall stecken.

Oberhof, gerade 29 Jahre alt, hat, seitdem er 15 Jahre alt ist, bereits mehrere Unternehmen gegründet, unter anderem eine Eventagentur und eine Solarfirma. Auch mit dem Thema Einzelartikel beschäftigt er sich schon länger als seine Konkurrenten. Die ursprüngliche Idee war eine personalisierte Zeitung – als Print-Produkt.

Wie heute in der Newscase-App konnten Kunden angeben, welches Medium sie gerne für welches Ressort hätte – beispielsweise die Washington Post für Politik, die Bild für Sport, die Hamburger Morgenpost für Lokales. Dann erhielten sie eine gedruckte Zeitung. 2009 erschienenen einige Ausgaben. Doch Druck und Transport dauerten zu lange. „Aus den Fehlern lernt man ja mehr als aus den Dingen, die man richtig macht“, meint Oberhof.