Nach eigenen Angeben hat Blendle 500.000 Nutzer; die meisten jünger als 35 Jahre. Zur Frage, ob das Start-up bereits profitabel ist, gibt Blendle nur preis, dass sich die Einnahmen alle sechs Monate verdoppeln würden. Verlage erhalten 70 Prozent der Erlöse, Blendle behält 30 Prozent als Provision.

Pocketstory: Geschichten statt Nachrichten

Die Webseite des Digitalkiosks Pocketstory. (Foto: Screenshot)

Die Webseite des Digitalkiosks Pocketstory.
(Foto: Screenshot)

Blendle ist unter großer Aufmerksamkeit in den deutschen Markt eingetreten. Dabei gibt es durchaus Konkurrenz von deutschen Gründern. Bereits im Mai ging Pocketstory online. Die Grundidee ist ähnlich: Einzelverkauf von Artikeln aus gedruckten Medien. 80 Zeitungen und Zeitschriften umfasst das Portfolio momentan. Zudem Blogs, Texte freier Journalisten und einige Kurzgeschichten aus Büchern. Ein einzelner Artikel kostet zwischen 39 Cent und 1,99 Euro. Für Nutzer praktisch: Anders als bei Blendle, muss man sich weder registrieren, noch zunächst ein Mindestguthaben einzahlen. Auch der einmalige Kauf eines Artikels ist möglich.

Was Pocketstory hauptsächlich von Blendle unterscheidet, spiegelt sich bereits im Namen wieder: Es geht um Storys, nicht um Nachrichten. „Ich glaube nicht, dass sich News im Netz monetarisieren lassen; daher können wir sie auch gleich ausblenden“, sagt Pocketstory-Gründer Thorsten Höge. Stattdessen bietet Pocketstory Artikel mit mindestens 5.000 Zeichen an, also Hintergrundberichte, Features und Reportagen, die im Netz normalerweise schwieriger erhältlich sind. Auch relativ teure Special-Interest-Magazine und Fachzeitschriften wie Merian und Technology Review gehören zum Angebot.

„Für deren Print-Ausgaben geben Leser oft keine sieben oder mehr Euro aus, wenn sie nur ein einziger Artikel daraus interessiert“, meint Höge. Tatsächlich laufen auch bei Blendle längere Stücke wie Hintergrundgeschichten, Interviews und Reportagen sowie Kommentare und Kolumnen am besten. Bei Meedia veröffentlicht Blendle jeden Mittwoch unter dem Stichwort Blendle-Charts die Top-Storys der vergangenen Woche.

Mitgründer von Pocketstory ist neben Höge, der ehemalige Spiegel-Online-Chef und heutige Medienberater Dieter Degler. Des Weiteren ist CTO Heiko Hofer finanziell beteiligt. An der Ideenentwicklung hat zudem Michael Leitl, Redakteur beim Harvard Business Manager, mitgearbeitet. Als eine Art Business Angel sind die beiden Geschäftsführerinnen des Emotion Verlages, Anke Rippert und Katarzyna Mol-Wolf dazu gekommen.

Aktuell hält Pocketstory laut Höge nach der ersten großen Finanzierungsrunde Ausschau. „Die ersten Verlage mussten wir in langwierigen Diskussionen davon überzeugen, ihren heiligen Content zu entbündeln. Heute kommen die Verlage auf uns zu und wollen mitmachen“, erzählt er.