Das Unternehmen eröffnet in Köln ein Kaufhaus mit Pop-up-Flächen – und will dank internationaler Geldgeber nun schnell wachsen.

Wir sind dann mal weg: Immer öfter brechen Markenhersteller ihre Zelte nach einigen Monaten wieder ab – und das nach Plan. Mit sogenannten Pop-up-Stores können sie auf neue Produkte und Kampagnen aufmerksam machen, ohne gleich für Jahre eine teure Immobilie in der Innenstadt anzumieten. Blaenk will den temporären Verkaufsflächen ab Ende November einen festen Platz in der Kölner Innenstadt geben: In den Räumen einer ehemaligen Filiale des Modehändlers Esprit baut das Start-up gerade eine Art Pop-up-Kaufhaus auf.

Die Idee: Unter einem gemeinsamen Dach sollen sich hier verschiedene Hersteller für jeweils drei bis vier Monate präsentieren – danach wechselt das Sortiment wieder. „Wir geben Marken einen Raum, um neue Produkte im stationären Handel zu testen“, sagt Blaenk-Gründer Martin Bressem. Er lockt mit einem Rund-um-Angebot: Das Start-up entwickelt ein Ladenbau-Konzept, baut die Fläche entsprechend um, stellt das Verkaufspersonal und kümmert sich um Logistik- und Zahlungsprozesse. Im Gegenzug zahlen die Marken einen monatlichen Paketpreis und geben einen Teil der Verkaufserlöse ab.

Start mit 35 Marken

Im Kölner Blaenk-Store sollen zum Start 35 Marken vertreten sein. Darunter sind Traditionsunternehmen wie Zwilling und Melitta, aber auch Start-ups, die ihre Produkte bisher nur online vertreiben. 500 Quadratmeter soll die Verkaufsfläche groß sein – Platz für schnelles Wachstum ist da: Insgesamt hat Blank rund 2000 Quadratmeter auf drei Etagen angemietet. „Viele Marke haben keine Lust mehr darauf, selbst in den stationären Handel zu gehen“, sagt Bressem. „Andere wiederum wollen ihre Produkte in einem neuen Umfeld präsentieren und so neue Kundengruppen erschließen.“

Unbedarft geht das Start-up nicht an das Konzept heran: Das 2014 in Essen gegründete Unternehmen hat zuletzt unter dem Namen Brick Spaces eine Vermittlungsplattform für Pop-up-Stores betrieben. Da habe man gemerkt, dass nicht nur die Flächen gebraucht werden, sondern auch alle Dienstleistungen drum herum angefragt werden, so der Gründer. In Düsseldorf hat das Start-up das Blaenk-Konzept bereits erprobt – und will sich nun ganz darauf konzentrieren.

Migros und Marks & Spencer investieren

Der Strategieschwenk hat nun Geldgeber aus der Branche angelockt. Mit VA Ventures ist zum einen gerade der Wagniskapitalarm des Schweizer Handelsriesen Migros bei Blaenk eingestiegen. Neu im Gesellschafterkreis ist zudem der britische Accelerator Founders Factory, an dem das Einzelhandelsunternehmen Marks & Spencer beteiligt ist. Dritter Neuinvestor in der siebenstelligen Finanzierungsrunde ist der Immobilieninvestor Ruddat Grund.

Im Fahrwasser der neuen Investoren will Blaenk auch in der Schweiz und in Großbritannien ähnliche Ladengeschäfte wie das in Köln eröffnen. Seine Zukunft sieht das Start-up aber vor allem als Tech-Unternehmen, das Händlern bei der Verzahnung von Filialen und Online-Geschäft hilft. Die eigenen Läden sollen dabei als eine Art Demonstrator dienen für Technologien, die künftig als Cloud-Software angeboten werden sollen.

Umdenken in der Coronakrise

So plant Blaenk, seine Verkaufsflächen mit Kameras zu bestücken – und anhand einer KI-getriebenen Bildanalyse das Besucherverhalten zu untersuchen: Etwa dazu, welche Produkte besonders genau betrachtet werden, ob sich eher Männer oder Frauen dafür interessieren und wie alt die Kunden etwa sind. „Wir machen Insights, die online schon lange üblich sind, auch offline möglich“, sagt der Bressem. Er betont, dass die Bilder anonymisiert sind, nicht gespeichert werden und sich keine Rückschlüsse auf einzelne Kunden ziehen lassen. Im Blaenk Store sollen Kunden zudem  QR-Codes scannen können, um mehr Informationen zu einzelnen Produkten zu bekommen – und diese auf Wunsche für den Versand nach Hause bestellen können. Parallel sollen alle Produkte auch ohne Filialbesuch im Blaenk-Online-Store erhältlich sein.

Dass der Start in die Coronakrise fällt, macht den Gründer nicht nervös. Zwar sei die Kundenfrequenz in der Innenstadt gesunken. „Aber wir wollen ohnehin keine Massen durch unseren Laden schleusen.“ Das Start-up profitiere vielmehr davon, dass sich „manche Konzepte im Handel als nicht mehr marktkonform herausstellen“. In der Branche wachse deswegen die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren. Symbolträchtig in dem Kontext ist der Standort des ersten Blaenk-Stores: Direkt nebenan ist eine Filiale des kriselnden Warenhaus-Konzerns Karstadt Galeria Kaufhof.