Auf leichten und stabilen Kunststoff sind nicht nur Autobranche, Luft- und Raumfahrt neugierig. Ein bayerisches Start-up will mit seiner Idee der Industrie ein Stück voraus sein.

Die Anforderungen sind gewaltig: Temperaturen von minus 150 bis plus 175 Grad müssen Bauteile in der Raumfahrt aushalten. Gleichzeitig sorgt jedes Gramm Gewicht weniger dafür, dass eine Mission deutlich billiger umgesetzt werden kann. In Taufkirchen, knapp außerhalb von München, arbeitet das Start-up Blackwave an und mit einem Material, dass diese Kriterien erfüllt. Carbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK) wird mit einem speziellen Verfahren in Form gebracht – und soll Belastungen und Temperaturschwankungen besser aushalten als andere Leichtbau-Materialien.

Auch andere Branchen schauen sich neugierig nach solchen Baustoffen um. Blackwave nennt Referenzkunden wie Airbus, Triebwerksbauer Pratt & Whitney, Porsche oder die BMW-Sport-Tochter M GmbH. Und nun will das Team auch die Medizintechnik in den Blick nehmen. Die Gemeinsamkeiten bei allen Kunden: „Sie suchen Möglichkeiten, um metallische Komponenten durch leichtere und gleichzeitig leistungsfähigere Alternativen zu ersetzen“, sagt Gründer Bastian Behrens gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. „Oft spielt auch der Kostenfaktor eine Rolle.“

Schwere Arbeit auf dem Leichtbau-Markt

Immer wieder kommen die Hersteller aber auch mit überraschenden Anwendungen um die Ecke: „Wir erleben es auch ab und zu, dass die Kunden mit Ideen auf uns zukommen, auf die wir bisher selbst noch nicht gekommen sind.“ Für die Medizinbranche könnte etwa interessant werden, dass das CFK röntgentransparent ist.

Mit dem innovativen Leichtbau hat sich das Start-up einen schweren Brocken vorgenommen. Viele Hersteller und Zulieferer arbeiten eifrig selbst an Durchbrüchen auf diesem Gebiet – ein bekanntes Unternehmen ist etwa die im SDax notierte SGL Carbon. Doch auch mit einem gerade einmal 16-köpfigen Team scheut Blackwave sämtliche größere Konkurrenz nicht: „Natürlich kann man mit viel Geld größere Anlagen kaufen und mehr Ingenieure einstellen als wir aktuell im Team haben. Aus unserer Sicht sind der zeitliche Vorsprung und unsere langjährige Expertise allerdings unbezahlbar“, sagt Behrens.

Seit sieben Jahren beschäftigen er und sein Mitgründer Raphael Setz sich bereits mit der Technologie – getroffen haben sich die beiden im „Formula-Student-Team“ der TU München. Bislang hätten die meisten Unternehmen nach einiger Zeit festgestellt, „dass ein bisschen mehr dazu gehört, als das Material ins Werkzeug zu schmeißen und zu hoffen“, so Behrens. Einige Kooperationen hätten so bereits ihren Ursprung gefunden.

Millionen-Investment in CFK-Start-up

Investoren teilen den Optimismus. Sie stellen dem 2016 gegründeten Start-up nun einen nicht näher bezifferten Millionenbetrag zur Verfügung. Neu eingestiegen sind Rudolf Schwarz, Inhaber des Ingenieursdienstleisters IABG sowie CK Venture Capital, hinter der die Münchener Business Angels Conny Hörl und Katja Ruhnke stehen. Zudem haben die Altgesellschafter Ceravis und Unger Capital Management nach Angaben des Start-ups ihre Investitionen erhöht. Das Start-up-Netzwerk BayStartUP hatte Geldgeber und Start-up zusammengebracht.

Aktuell ist das Start-up vor allem damit beschäftigt, Aufträge aus den vergangenen Monaten abzuarbeiten – die Luft- und Raumfahrtindustrie habe besonders eifrig bestellt, so Behrens. Die Zusammenarbeit mit vielen Unternehmen habe sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie dagegen bereits verlangsamt, berichtet der Gründer: „Diese Verschnaufpause wollen wir dazu nutzen, um unsere internen Prozesse, wie zum Beispiel unser Computer-Aided-Quality-System, fertigzustellen.“

Solange die Zulieferkette hält, wolle man zudem die Eigenschaften des karbonverstärkten Kunstoffs weiter voranbringen. Dank der kurz vor der Krise abgeschlossenen Finanzierungsrunde bleibt auch hier die Perspektive von Blackwave optimistisch: „Anschließend werden wir bestens aufgestellt sein, um uns mit voller Kraft dem Aufschwung zu widmen, der auf jeden Fall kommt“, sagt Behrens.