Das Blockchain-Start-up verbindet Girokonto mit Kryptowährungs-Börse. Im Visier der Berliner sind nun auch Firmenkunden, die mit Bitcoin & Co. arbeiten.

Die Liste der Digitalwährungen ist lang: Ether, XRP, Tether, Litecoin. Dazukommen könnte Facebooks Libra, deren Start jedoch aufgrund heftiger Kritik von Aufsehern und Behörden noch unklar ist. An einem sicheren, regulierten Handel mit der Blockchain-basierten Währung Bitcoin tüftelt das Berliner Start-up Bitwala. Seit November bietet die 2015 gegründete Firma ein Bankkonto an, das als kombinierte Geldbörse für Euro und Bitcoin funktioniert. Um mehr Kunden gewinnen zu können, stellen Investoren nun zusätzliche 13 Millionen Euro zur Verfügung.

Digitale Bezahlmittel auf einem herkömmlichen Konto: Die sogenannten Kryptowährungen unterscheiden sich vom klassischen Geld, indem sie von Computern statt von Notenbanken erzeugt werden. Die meisten von ihnen laufen über die Blockchain. Über Bitwala eröffnen Kunden ein Girokonto bei der Berliner Solarisbank, das ihnen ermöglicht, die digitale Währung Bitcoin zu kaufen und zu verkaufen.

Das Finanztechnologie-Start-up verdient an der Gebühr von einem Prozent der Transaktionssumme. „Wir haben Bitwala gegründet, um etwas zu schaffen, was keiner für möglich gehalten hat: Bitcoin und das konventionelle Finanzsystem zu verbinden und dabei die Vorgaben der strengen deutschen Bankenregulierung einzuhalten“, lässt sich Jan Goslicki, Mitgründer und Chief Compliance Officer bei Bitwala, in einer aktuellen Pressemitteilung zitieren.

Geschäftskonto geplant

Künftig will Bitwala gezielt um Unternehmenskunden werben, die einmal zum gleichen Teil zum Umsatz beitragen sollen wie Privatkunden, erklärt Chief of Growth Philipp Beer auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Einen Startzeitpunkt für das Geschäftskonto nennt er nicht. „Traditionelle Unternehmen, die sich mit innovativen Produkten in den Krypto-Bereich, etwa bei Bezahllösungen, bewegen möchten oder institutionelle Anleger wie etwa Family Offices, finden oft keinen Partner. Diese Unternehmen brauchen einen sicheren, verlässlichen und regulatorisch einwandfreien Anbieter“, sagt Beer zum strategischen Fokus auf Geschäftskunden. Insgesamt 15.000 Kunden hätten bislang einen Antrag auf Kontoeröffnung gestellt.

Innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate soll sich das Team von derzeit 40 auf rund 60 Mitarbeiter vergrößern. Insbesondere nach Entwicklern und Marketing-Experten hält die junge Firma der Gründer Jan Goslicki, Benjamin Jones und Jörg von Minckwitz Ausschau. Im Wettbewerb um die Berliner Fachkräfte gibt sich Beer optimistisch: „Berlin ist da natürlich ein heißes Pflaster, vor allem gut ausgebildete Entwickler haben meist die Qual der Wahl. Wir merken jedoch, dass gerade unser Ansatz zur Einbindung der Blockchain großes Interesse weckt.“

Neustart mit Millionen-Finanzierung

Ein internationaler Investorenkreis leistet den nötigen finanziellen Anschub: An der Serie-A-Finanzierungsrunde beteiligt sich Sony Financial Ventures über den Partner Global Brain aus Tokio. „Wir teilen Bitwalas Vision einer digitalen Wirtschaft der Zukunft. Die smarte Positionierung als Brücke zwischen der konventionellen und der Blockchain-basierten Finanzwelt ist absolut massentauglich“, so Yasuhiko Yurimoto, Gründer und CEO von Global Brain, laut Presseinformation.

Zu den Kapitalgebern zählen außerdem die britische Investmentgesellschaft NKB Group sowie die Risikokapitalgeber Earlybird Venture Capital und Coparion, die zuvor bereits in Bitwala investierten. Unter den Bestandsinvestoren sind zudem der High-Tech Gründerfonds, Carsten Maschmeyers Wachstumsfinanzierer Alstin und die Digital Currency Group. Insgesamt flossen mit der aktuellen Finanzierungsrunde bereits 19,3 Millionen Euro an Bitwala.

Finanzchef Christoph Iwaniez hofft auf einen Vorsprung vor der Konkurrenz durch andere Blockchain-Start-ups: „Während wir gerade in eine neue Phase der Expansion eintreten, wird es sehr schwierig sein, unsere einzigartige technische und regulatorische Struktur nachzuahmen oder das gleiche Vertrauen in der Kundenbasis zu gewinnen.“

Einen schweren Rückschlag hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr zu verkraften: Da musste Bitwala vorübergehend seine Dienste einstellen, weil der Kreditkartenpartner seine Lizenz verlor. Um mit einem eigenen Girokonto neu starten zu können, steckten Investoren vier Millionen Euro in das Berliner Fintech, wie im September bekannt wurde.