Um gute Programmierer müssen Start-ups kämpfen. Auf der „Bits & Pretzels“ erklärt Ex-Swoodoo-CTO Lars Jankowfsky, wie Gründer sie halten können.

München. Als er während seines Vortrags zu den speziellen Wünschen von Managern kommt, wird Lars Jankowfsky laut. „Ich sehe das jede verdammte Woche“, sagt der General Partner von NFQ. In der einen Woche sage ein Manager, dass er ein bestimmtes Feature jetzt sofort brauche und dass es nicht warten könne. Und in der nächsten Woche sei es plötzlich nicht mehr so wichtig und er wolle etwas ganz anderes. Jankowfskys Rat: „Denke nochmal darüber nach, bevor du einen Programmierer um ein Feature bittest.“ Denn wenn jede Woche etwas Neues komme, nehme den Manager niemand mehr ernst.

In seinem Vortrag „Der 20-Minuten Technologie-Kurs für Unternehmensgründer“ nimmt sich der frühere Technik-Chef von Firmen wie Kiveda oder Swoodoo auf der „Bits & Pretzels“ ein Thema vor, das gerade für digitale Start-ups wichtig ist: Wie kann ich meine Programmierer halten? Ähnlich wie bei Softwareentwicklern herrscht auch ein großer Mangel an Programmierern in Deutschland. Und Start-ups konkurrieren bei diesem Thema nicht nur miteinander, sondern auch mit großen Konzernen. Wie schwierig der Kampf ist, zeigte nicht zuletzt das „No Hire“-Abkommen zwischen Apple und Google, die sich gegenseitig versprachen, keine Mitarbeiter abzuwerben.

„Es gibt immer jemanden, der mehr zahlt“

Lars Janowfsky, dunke Haare, Lederhose, T-Shirt mit der Aufschrift „I love the smell of startups in the morning“, nutzt seine Zeit auf der Bühne, um den Gründern aus seiner eigenen Erfahrung zu verdeutlichen, was ein Programmierer eigentlich will und was der Gründer machen kann, um genau das zu erreichen.

Die gute Nachricht für junge Unternehmen: Geld allein sei nicht das Mittel, einen Programmierer zu halten, sagt Jankowfsky: „Die Leute, die nur wegen des Geldes kommen, gehen auch wegen des Geldes.“ Sie seien nicht loyal. „Es gibt immer jemanden, der ihnen mehr zahlt.“

Stattdessen muss der Gründer dem Programmierer eine gute Arbeitsatmosphäre bieten, eine Wohlfühlatmosphäre. Als Beispiel zeigt der Experte ein Bild aus seinem eigenen Büro: Kickertisch, Essen auf einer Anrichte, Sofas. „Es ist wichtig, dass dir deine Programmierer am Herzen liegen“, erklärt Jankowfsky.

Ein Start-up kann das nicht nur über nette Räumlichkeiten zeigen, sondern auch, indem es auf die Wünsche des Programmierers eingeht. „Nerds lieben ihre Tools“, sagt der frühere CTO. „Wenn sie drei Monitore wollen, gib ihnen drei Monitore. Wenn sie vier wollen, gibt ihnen vier.“ Sein Kalkül: Das sei günstiger, als einen neuen Programmierer zu finden. „Du kannst Programmierer kaufen mit Monitoren und CPUs.“ Allerdings glaubt nicht jeder an diese einfache Formel.

Um eine gute Atmosphäre zu schaffen, sollte der Programmierer auch nicht – wie am Anfang beschrieben – jeden Tag mit neuen Aufgaben unter Druck gesetzt werden. Den Druck zu erhöhen, möge kurzfristig helfen, aber nicht langfristig, gibt Janowfsky zu bedenken. Stattdessen brauche ein Programmierer Zeit, um sich in neue Prozesse und Abläufe einzuarbeiten und sie zu verstehen. Diese Zeit solle man ihm auch geben, rät der Experte.

„Investiere das Geld lieber in dich selbst“

Lars Jankowfsky empfiehlt jedem Gründer, sich auch selbst in die technologischen Aspekte des Webseite-Bauens einzulesen. „Statt 30.000 Dollar in irgendeine Firma zu investieren, die das für euch übernimmt, investiert das Geld in euch selbst“, sagt der Ex-CTO während seines Vortrags. Wer die Grundlagen verstehe, könne mit den Programmierern auf Augenhöhe reden. Der Rat ist zumindest insofern bemerkenswert, weil Jankowfskys Firma NFQ selbst technische Dienste anbietet, die zum Beispiel die internationale Expansion vereinfachen sollen.

Am Ende bringt er es auf eine einfache Formel für Gründer: „Wenn du nicht drei Mal in zwei Wochen deine Meinung änderst, würden wir uns schon sehr darüber freuen.“