Nie war das bayerische Motto von „Laptop und Lederhosen“ so allgegenwärtig wie auf dieser Konferenz. Auch inhaltlich wurde einiges geboten: Der Runtastic-Chef gibt Tipps für Gründer und sein neuer Chef, Adidas-Boss Hainer, legt ein überraschend offenes Geständnis ab.

In München ist derzeit gefühlt jeder Dritte in Lederhose oder Dirndl unterwegs, das ist normal, schließlich ist Oktoberfestzeit. Wirklich ungewohnt ist die extreme Trachtendichte aber auf einer Start-up-Konferenz. Denn es treten nicht nur die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner oder der Münchner Bürgermeister Josef Schmidt, sondern von Moderator und GoButler-Investor Joko Winterscheidt bis zu Zendesk-Chef Mikkel Svane so ziemlich alle Sprecher in Tracht auf. „It’s my first time in Lederhosen on the stage“, sagt Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner dann auch amüsiert. Das alte bayerische Motto von „Laptop und Lederhosen“, selten war es so präsent wie hier.

Doch seit Smartphones den Laptop als Symbol der Modernität abgelöst haben, denkt man bei Start-ups in Deutschland an Berlin und nicht an München. Das ein Stück zu ändern und für die Szene einen Anlaufpunkt mit internationaler Strahlkraft zu schaffen, darum geht es den Machern der Konferenz „Bits & Pretzels“, Andreas Bruckschlögl, Bernd Storm und Felix Haas. Wie das zu schaffen ist, war auch schnell klar: „Wir brauchen die Wiesn, damit alle kommen“, erinnert Storm.

„Wir werden die Start-up-Region Nummer eins“

Doch für 3500 Gäste Platz in einem Wiesn-Zelt zu bekommen, ist nicht so einfach, um nicht zu sagen ein kleines Politikum. Da hat es sicher nicht geschadet, dass auch die bayerische Politik bemüht ist, die Start-up-Szene im Land zu stärken und das Vorhaben wohlwollend unterstützt hat. Die Ambitionen sind schließlich hoch: „Wir werden die Start-up-Region Nummer Eins werden“, tönt Aigner.

Doch so großspurig und vielleicht typisch bayerisch das beispielsweise in Berliner Ohren klingen mag, hat Aigner damit doch eine der wichtigsten Start-up-Lektionen gelernt: Denk groß. Genau das fehle in Österreich oder Deutschland zu oft, erklärte dann auch der Runtastic-Gründer. Doch gerade als Gründer in dem Alpenland mit nur acht Millionen Einwohnern müsse man von Anfang an über die Grenzen hinaus denken. „Lass dir von niemandem sagen, du bist zu jung, ein Babyhai ist immer noch ein verdammter Hai“, sagt Gschwandtner.

Und er hat noch andere Tipps für Gründer, die wie Runtastic ohne Risikokapital eine App bauen wollen, die bislang 140 Millionen Mal installiert wurde und immer noch täglich 150.000 Mal heruntergeladen wird: Networking ist wichtig, aber man sollte sich genau überlegen, auf welchen Veranstaltungen man seine Zeit verbringt. Wer kein Kapital aufnimmt muss sein Geld vorsichtiger ausgeben. Doch ohne große Marketingbudgets ist man gezwungen, Mundpropaganda zu bekommen und entwickelt eher Features wie Runtastic, die die Nutzer animieren, das Produkt und seine Nutzung bei Facebook bekannt zu machen.

Genau diese Fähigkeit, die Zielgruppe zu erreichen und zu überzeugen war auch einer der wesentlichen Gründe dafür, dass Adidas 220 Millionen Euro für das Start-up gezahlt hat. „Wir waren an den Nutzern interessiert“, sagt Adidas-Chef Herbert Hainer, der im Gegensatz zu all den anderen in Jeans und dunkelblauem Pullover die Bühne betritt. Aber Lederhosen hätten auch nicht so gut mit den schwarzen Adidas-Sneakern harmoniert. Erstaunlich offen ist Hainer dann in einem weiteren Punkt: „Wir wollten auch das Know-how der Leute, die sind in gewisser Hinsicht besser als die bei uns.“ Und so sollen die Runtastic-Macher auch weiterhin so unabhängig wie möglich agieren, sagt Hainer. „Wenn wir sie in das Unternehmen integrieren, würden wir ihre Kultur zerstören.“

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