Schon während seiner Doktorarbeit war Buchholz an einer Innovation beteiligt, die anschließend vermarktet wurde. 2010, da war er bereits Professor für Medizinische Systembiologie in Dresden, gründete er Eupheria Biotech aus: ein kleines Unternehmen, das Labor-Instrumente an Forscher verkauft, die mit Crispr/Cas arbeiten. Das ist die derzeit gängigste Methode des Genome-Editing, für die Buchholz nun eine Alternative auf den Markt bringen möchte. Er setzt auf andere Enzyme – jene „Rekombinasen“ – die seinem Verfahren einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen sollen: „Wir bringen den Kleber gleich mit“, sagt Buchholz über das aufwendig gezüchtete Enzym, das die DNA nicht nur aufschneidet, sondern automatisch auch wieder verschließt.

Allein, um eine mögliche Ausgründung vorzubereiten, ist er nun schon wieder auf öffentliche Gelder angewiesen: aus dem GO-Bio-Programm des Bundesforschungsministeriums, explizit aufgesetzt, um „Teams für den Markt fit zu machen“. Acht Gewinner teilen sich in diesem Jahr das Budget, von dem allein Buchholz’ Team etwa drei Millionen Euro bekommen könnte.

Ob die Ausgründung gelingen wird? Das ist noch längst nicht ausgemacht. Die Hälfte der GO-Bio-Teilnehmer scheitern daran. Und selbst wenn: Langfristig bräuchte es ohnehin privates Kapital, wendet Siegfried Bialojan ein, Berater bei der Unternehmensberatung EY und zudem Executive Director des Life Sciences Center Mannheim.

Er sieht die öffentlichen Förderprogramme kritisch, weil bereits zu Beginn häufig Weichen gestellt werden würden, die wissenschaftlich nachvollziehbar, aber unternehmerisch unklug seien. „Sobald ein Business-Plan steht und verfolgt wird, haben Wagniskapitalgeber nicht mehr viele Möglichkeiten, die Entwicklung zu beeinflussen“. Zu einer späteren Phase würden viele Investoren deshalb gar nicht mehr einsteigen wollen.

Es gibt sie jedoch, so rar sie auch sein mögen: Business Angels und Venture-Capital-Gesellschaften, die das Risiko des Einstiegs in Startups der Biotechnologie wagen. Sie setzen darauf, das eine Ära der „Biologisierung” anbricht. „Ähnlich wie bei der Digitalisierung werden ganze Industriebereiche umgekrempelt“, prophezeit Bialojan für Bereiche wie Ernährung, Landwirtschaft und Gesundheit.

Die Gebrüder Strüngmann zum Beispiel haben zuletzt 270 Millionen Euro in Biontech aus Mainz gesteckt, die an Impfstoffen gegen Krebserkrankungen arbeiten. Und der SAP-Gründer Dietmar Hopp hält laut Handelsblatt mit Dievini einen „Löwenanteil“ des 355 Millionen schweren Kapitals von Curevac. Das Tübingen Unternehmen experimentiert mit dem Botenmolekül mRNA, um gezielt Proteine zu bilden, die sich gegen Krankheiten zur Wehr setzen.

„Das hätte keiner der klassischen VCs angefasst”, glaubt Bialojan, der jedoch auch etwas Verständnis für die Scheu vor Investments zeigt. „Das ist extrem risikoreich und kostet ein Schweinegeld”, sagt Bialojan und plädiert deshalb für steuerliche Anreize für Kapitalgeber.

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