Das alles war 2010. Doch bis heute ist der Emergency Airdrop nur als Kunstprojekt umgesetzt worden, statt die Welt zu verbessern. Seine Erfinderin ist keine Unternehmerin sondern Angestellte beim Design Forum Rheinland-Pfalz „Das System funktioniert, aber jemand müsste investieren, um es mit einem interdisziplinären Team aus Ingenieuren, Aerodynamikern und Designern markttauglich umzusetzen“, sagt Finzsch.

Weltmarktführer mit Beratung statt Produkten

Es scheint wie ein Schlaraffenland, in dem kaum einer den Mund aufhalten mag. Das Fermanian Institute konstatiert: „Investoren haben Bioinspiration noch nicht zu in einem bedeutenden Ausmaß wahrgenommen, da die Bekanntheit immer noch eingeschränkt ist.“ Ähnlich wie früher bei der Biotechnologie. Auch Professorin Kesel hält das Marktpotenzial von Bionik-Produkten für „immens“. Die USA seien willens, in den nächsten Jahren enorm Geld in die Hand zu nehmen. In China sei das schon der Fall. Japan ist besonders bei Robotik stark aufgestellt, unter anderem weil in einer alternden Gesellschaft Roboter als Helfer bedeuteter werden. „Doch Deutschland darf sich ganz selbstbewusst auf die Fahne schreiben, Weltmarktführer in der Bionik zu sein – noch“, meint Kesel. Weltmarktführer in der wissenschaftlichen Diskussion und Ideenschmiede, wohl bemerkt.  (Wobei im weiteren Feld der Bioinspiration laut Da-Vinci-Index die meisten wissenschaftlichen Artikel aus den USA und China stammen, mit Deutschland auf Platz 3.)

Selbst bei der „Handvoll Start-ups“ der Branche handelt es sich – laut Kesel – selten um Produzenten, sondern vor allem um Beratungen. Eine davon ist Syno. Oder besser gesagt, möchte Syno gerne sein. Denn das Paderborner Start-up für „naturinspirierte Optimierung“, das Unternehmen helfen will, mit Naturvorbildern Lösungen für technische Probleme zu finden, steht noch ganz am Anfang.

Die fünf Gründer, alle Mitte 20, haben in Bocholt einen Bachelorstudiengang in Bionik absolviert. Bereits während des Studiums fiel die Entscheidung, gemeinsam zu gründen. „Aber wir wollten erst Masterstudiengänge in verschiedenen Richtungen abschließen, um möglichst viel interdisziplinäres Wissen einbringen zu können“, sagt Mitgründer Maxwell Hein.

Produktideen für eine Gründung hätten die fünf zwar auch, aber wie bei Adrienne Finzsch fehlt es am Kapitel und an Gründungsunterstützung der Hochschule. Ein Beratungs-Start-up ist einfacher an den Markt zu bringen. Drei der fünf jungen Männer sind noch im Studium. Doch seit Mai ist die Website online und das Beratungsangebot damit nach außen sichtbar. Aufträge gab es aber bisher noch nicht.