Ein paar weitere Jahre verliefen mehr oder weniger ereignislos, bis der gründungsinteressierte Maschinenbaustudent Jan Röhlinger sich auf die Suche nach spannenden Geschäftsideen machte und dabei BioRob entdeckte. Das Unternehmen haben die beiden Professoren mitgegründet, doch nur Röhlinger ist aktiv tätig. Seed-Investoren wie der Hightech-Gründerfonds und die Dr. Schulze Consulting waren rasch gefunden. Inzwischen hat das Unternehmen die Series-A-Finanzierungsrunde mit einer siebenstelligen Investition abgeschlossen und beschäftigt 20 Mitarbeiter.

Großunternehmen schöpfen Wissen ab?

Während die Marktumsetzung bei BioRob lange daran scheiterte, dass niemand da war, der sie in die Hand nahm, harkt es bei anderen Ideen an finanzieller und organisatorischer Unterstützung. Als Adrienne Finzsch merkte, dass ihr Vordiplom-Projekt in der Öffentlichkeit auf großes Interesse stieß, wurde ihr das Gründungspotenzial schnell klar. „Aber als Studentin hatte ich weder Geld noch Möglichkeiten, eine Gründung zu verfolgen und ich wurde dabei auch nicht von meiner Hochschule unterstützt“, berichtet Finzsch. Das Projekt gewann mehrere Design-Preise und wurde dadurch medial bekannt. Doch die Hochschule beteiligte sich nicht mal bei der Patentanmeldung. Dabei ist die Idee von Finzsch nicht nur ökonomisch interessant, sondern auch sozial.

Was die Industriedesignerin entwickelt hat, ist ein Abwurfsystem für Hilfsgüter in Krisengebieten. Bisher kommen viele Hilfsgüter, die aus einem Flugzeuge abgeworfen werden, nicht bei den Adressanten an, da sie durch den Aufprall zerstört werden. Der „Emergency Airdrop“ landet hingegen sanft. Wie das funktionieren kann, hat sich Finzsch bei Ahornbäumen abgeschaut. Denn beim Baum hängt schließlich seine Fortpflanzung davon ab, dass abgeworfene Samen sicher landen. „Ahornsamen haben einen Kern (den Samen), der den Schwerpunkt bildet und einen darum rotierenden Flügel“, erläutert Finzsch. Der durch den Rotationsflug erzeugte Auftrieb senke die Fallgeschwindigkeit. Daher ist auch der Airdrop mit Flügeln ausgestattet. Das sei wesentlich günstiger als Fallschirme.

Klingt spannend, dachten sich nicht nur Designpreis-Jurys und die sozialinteressierte Öffentlichkeit, sondern auch einige Großunternehmen: Airbus und Bayer Material Science luden die damalige Studentin zu Vorträgen ein und lauschten interessiert. Doch Airbus soll erst am Ende gesagt haben, dass man leider keine sozialen Projekte fördere. Bayer wollte das System aus Kunststoff herstellen statt wie von Finzsch entwickelt aus umweltfreundlicher wasserabweisender Pappe. „Danach war ich ernüchtert“, sagt Finzsch.