Gründungsideen versauern an Hochschulen

In der Naturinspiration liegt selbstverständlich auch großes Wirtschaftspotential. Das kalifornische Fermanian Business & Economic Institute an der Point Loma Nazarene Universität in San Diego schätzt, dass Biomimicry bis zum Jahre 2030 weltweit 1,6 Billionen US-Dollar zum Weltbruttosozialprodukt beiträgt. Das Feld sei eine wahre Fundgrube für Innovationen. Die Firmen verdoppelten ihren Umsatz jährlich. Umso erstaunlicher ist es, dass viele Ideen ungenutzt bleiben.

„In Deutschland gibt es vielleicht eine Handvoll Start-ups, die sich mit Bionik beschäftigen“, sagt die Biologin Antonia Kesel, leitende Professorin eines Bionik-Studienganges an der Hochschule Bremen und Vorsitzende des Vereins Biokon, der Wissenschaftler und Unternehmen im Bereich der Bionik miteinander vernetzt. Zwar steht laut Kesel längst nicht auf jedem bionisch-inspirierten Produkt Bionik drauf (der Zusatz ist ihrer Meinungen nach sogar eher ein Marketing-Gag), aber Gründungen gäbe es nur wenige.

Bionikideen sind in der Forschung zwar schon viele entwickelt worden, doch-die Patente bleiben laut Kesel meist an den Hochschulen hängen. Der Bund hat seit 2003 etliche Millionen in die Bionik-Forschung gesteckt. Die Hochschulen vergäben die Entwicklungen aber höchstens in Lizenz an große Unternehmen. „Wissenschaftler sind eben nicht die Klientel, die sich selbstständig machen möchte“, meint Kesel. Sie selbst hätte ebenfalls kein Interesse daran.

Einige Forschungsinstitute vermarkten ihre Ideen zwar, etwa das Helmholtz-Zentrum für Polar-und Meeresforschung mit einem an Plankton orientierten Leichtbaumaterial namens Elise. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO bieten sich als Berater für eine „Bionikpotenzialanalyse“ an. Doch tatsächlich lassen sich kaum Marktstudien finden. Als Trendbarometer der Branche gilt der Da-Vinci-Index, der aber keine Wirtschaftsindikatoren zu einem Index vereint, sondern die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen, Patente und bewilligter Forschungsfördermittel.

Spendable Investoren

So kommt es auch, dass der BioRob 13 Jahre lang vor sich hinvegetierte, ehe er von Jan Röhlinger an den Markt gebracht wurde. Denn Röhlinger ist zwar der Gründer von Bionic Robotics, aber nicht der Erfinder des Sehnen-Roboters. Die Idee hatte der Saarbrücker Biologieprofessor Bernhard Möhl bereits 1997. Doch ein paar Jahre gingen ins Land, bis er auf einer Konferenz den Darmstädter Informatikprofessor Oskar von Stryk kennenlernte und anschließend mit ihm einen ersten Prototyp baute.