Integriert in Bandagen oder Schuhe sollen die Bauteile des Berliner Start-ups verhindern, dass Sportler mit dem Fuß umknicken.

Mit smarten Materialen Bänderrissen vorbeugen: Diese Vision verfolgt Betterguards. Das Berliner Medizintechnik-Start-up hat einen neuartigen Gelenkschutz entwickelt, der sich unter anderem in Bandagen, Schuhe und Handschuhe einbauen lässt. Die sogenannten Adaptoren sollen sich bei kritischen Bewegungen wie einem seitlichen Umknicken des Fußes schnell versteifen – und so ein Überstrecken der Gelenke verhindern. Ist die Gefahrensituation vorüber, kehrt der Adaptor in seinen dehnbaren Ausgangszustand zurück.

Gegründet 2014 in Berlin, hat das Unternehmen nun in einer Finanzierungsrunde einen mittleren einstelligen Millionenbetrag eingeworben. Lead-Investor ist die Tübinger SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement. Die Firma, die gerade Geld für ihren fünften Fonds einwirbt, beteiligt sich vorwiegend an Medizintechnik- und andere Unternehmen der Gesundheitsbranche. Frisches Kapital kommt auch von den bestehenden Investoren. Dazu zählt BFB Brandenburg Kapital – ein Tochterunternehmen der Brandenburger Förderbank ILB – und „Die Brückenköpfe“. Die Agentur berät unter anderem Start-ups im Gesundheitswesen, zu den Gesellschaftern gehören Ex-Profifußballer Philipp Lahm und der Kabarettist Eckart von Hirschhausen.

Produktion in Brandenburg

Betterguards will das frische Kapital nutzen, um seine Produktion zu automatisieren und zu erweitern, sagte CEO Vinzenz Bichler im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. „Bisher arbeiten wir halbautomatisch mit kollaborativen Robotern.“ Als Produktionsstandort hat das Start-up nach dem Investment der Brandenburger Förderbank Hennigsdorf, nordwestlich von Berlin, auserkoren. Kürzlich habe dort die erste Serienproduktion begonnen. Zu den ersten Kunden gehört der Orthopädietechnikhersteller Julius Zorn (kurz Juzo), der die Adaptoren in Spunggelenksbandagen integrieren will.

„Sprunggelenkverletzungen gehören zu den häufigsten Sportverletzungen überhaupt“, so Bichler. In der Regel ist die Ursache, dass der Fuß seitlich nach vorne abknickt – was die Adaptoren verhindern sollen. Der Gründer rechnet deswegen damit, dass die Kosten für seine Erfindung künftig auch von Krankenkassen erstattet werden. Als ersten Schritt im langwierigen Zulassungsverfahren hat Betterguards kürzlich eine klinische Studie abgeschlossen.

Reaktion innerhalb von 20 Millisekunden

Entwickelt hat Bichler die Technologie nach Forschungen an der TU Berlin zusammen mit Max Müseler und Timo Stumper. Die Adaptoren erinnern optisch an kleine Kolben und sind je nach Anwendungsbereich zwischen sechs und acht Zentimeter lang. Der Schlüssel ist eine spezielle Flüssigkeit, die aushärtet, sobald schnelle und hohe Kräfte einwirken. „Die Reaktion erfolgt innerhalb von 20 Millisekunden und ist damit deutlich schneller als der Muskel“, erklärt Bichler. Das System werde im Anschluss wieder leichtgängig – ähnlich wie ein Sicherheitsgurt im Auto.

Betterguards versteht sich derzeit als Technologielieferant und Entwicklungspartner für andere Unternehmen. Das Start-up schließt aber nicht aus, irgendwann auch selbst Endkundenprodukte herzustellen. Zusammen mit Partnern teste man derzeit unter anderem den Einsatz der Bauteile in Snowboardhandschuhen, Arbeitsschutz- und Trekkingschuhen, sagt Bichler. „Wir können im Moment gar nicht alle Anfragen angehen.“ Auch deswegen soll das Team, das derzeit aus 14 festen Mitarbeitern sowie 25 Praktikanten und Werkstudenten besteht, nun deutlich vergrößert werden.