Um das lukrative Digitalunternehmen herum sollen weitere Start-ups entstehen. Für die erste Themenwelt kaufen die Unternehmer nun zu: Online-Juwelier 21Diamonds kommt aus der Rocket-Welt.

Der Ring aus Weißgold oder Sterlingsilber, in der Fassung ein Diamant oder ein Smaragd: Mit wenigen Klicks lassen sich auf 21Diamaonds Verlobungs- oder Eheringe aussuchen und bestellen. Seit 2011 ist der Online-Juwelier schon unterwegs – und ist mit der Unterstützung von Initiator Rocket Internet oder Investoren wie Holtzbrinck Ventures durch gute wie auch schlechte Zeiten gegangen.

Jetzt hat das Start-up eine neue Heimat gefunden: In diesem Sommer hat der Münchener Company-Builder Better das Digitalunternehmen für einen nicht genannten Betrag übernommen, wie WirtschaftsWoche Gründer erfahren hat. Die Geschäftsführer sind abgetreten, aber ein knapp zehnköpfiges Team ist an Bord geblieben.

Vernetzung mit dem Kerngeschäft Karten

Der neue Eigentümer will 21Diamonds wieder mehr Schwung verleihen: „Hochzeitsschmuck wird schon viel online gesucht, aber noch nicht so viel online gekauft“, sagt Christoph Behn, Co-Gründer und -Geschäftsführer von Better. „Da können wir mit unserer Erfahrung sicher noch mehr erreichen.“ Hochpreisige Schmuckstücken lassen sich jedoch nicht ohne weiteres online vermarkten, wie die Erfahrung anderer Start-ups zeigt.

Aktuell werkelt das Team vorsichtig an einer neuen Ausrichtung. Helfen soll aber in jedem Fall die neue Nähe zur Kartenmacherei: Das Portal für Einladungs- und Hochzeitskarten ist ohne Investorengelder auf eine stattliche Größe angewachsen. Ende des vergangenen Jahres verabschiedeten sich die Gründer langsam vom operativen Geschäft und gründeten Better. Gespeist aus den Gewinnen der Kartenmacherei sollen in den nächsten Jahren bis zu 100 Millionen Euro in selbst aufgebaute Start-ups fließen.

Der Kauf von 21Diamonds passt eigentlich nicht in diese Strategie. Es sei eine günstige Gelegenheit gewesen, an ein bestehendes Geschäft mit Kundenstamm und Beziehungen zu Schmuckherstellern zu kommen, sagt Behn.

Hoffnungen auf das Themenfeld Hochzeit

Und es passt zum Thema Hochzeit – an dem auch die bislang einzige aktive Better-Gründung werkelt. Mit der App Celebrate können Hochzeitspaare ein geschlossenes soziales Netzwerk mit ihren Gästen eröffnen, über das Bilder und Videos vom Fest in hoher Auflösung geteilt werden können.

Celebrate ist dabei erst im zweiten Anlauf auf einem vielversprechenden Weg gelandet. Gestartet war die App als Einladungstool für Feste – „kein Feature war aber überzeugend genug“, räumt Behn heute ein. Nach einer kräftigen Überarbeitung stoße das Foto-Sharing nun auf Resonanz: 5000 Events mit insgesamt 150.000 Nutzern hätten die App im ersten Jahr genutzt, berichtet Behn.

Die vielbesuchte Webseite der Kartenmacherei half kräftig mit. An passenden Stellen, etwa bei der Suche nach Hochzeitseinladungskarten, wurde auf die App verwiesen – dann hoffte das Team auf die Mundpropaganda. „Da konnten wir unseren unfairen Vorteil voll ausspielen“, sagt Behn. In Zukunft könnten aus der App wiederum Fotobücher entstehen, die für Umsätze sorgen.

Fokus soll auch auf Familien liegen

Einen ähnlichen Effekt erhoffen sich die Better-Gründer bei 21Diamonds. Auch hier soll das Ring-Angebot in der Kartenmacherei-Seite auftauchen und Nutzer neugierig auf den Online-Juwelier machen. Mit eigenen Kollektionen soll das Start-up zudem stärker zu einer sogenannten Direct-to-Consumer-Marke ausgebaut werden.

Mittelfristig will der Company-Builder Better neben Hochzeiten auch das Thema Familie in den Blick nehmen. Hier laufe aktuell bereits die Marktforschung für mögliche Ausgründungen, die technische Hilfe für den Familienalltag liefern könnten, berichtet Gründer Behn. Spruchreif ist noch keine dieser Ideen – nur der Name für das Segment, bei dem sich das Better-Team an Begriffe wie Fintechs oder Proptechs anlehnt: Der Company-Builder will „Parentech“-Angebote erschaffen.