Die Zahl der Start-ups mit hoher Firmenbewertung in der Hauptstadt wächst. Ein Informationsdienst zählt 21 Kandidaten für die Schwelle von einer Milliarde.

Ein wichtiges Signal – ohne tatsächliche Aussagekraft: Das ist der sogenannte Einhorn-Status bei Start-ups. Er wird ausgerufen, sobald Investoren bei ihrer Beteiligung an einem Unternehmen von einem virtuellen Wert von mehr als einer Milliarde Dollar ausgehen. Viele der so betitelten Start-ups schreiben dabei noch auf lange Sicht rote Zahlen in ihrem täglichen Geschäft. Doch der inoffizielle Einhorn-Titel zeigt: Die Geldgeber haben die große Hoffnung, dass ihre neue Beteiligung zu einem großen und weltweit bedeutenden Digitalunternehmen erwachsen kann.

Beobachter innerhalb und außerhalb der Start-up-Szene nehmen solche Nachrichten daher mit großer Neugier wahr. Eine aktuelle Untersuchung des Informationsdiensts Dealroom.co spricht jetzt gleich 21 Start-ups das Potenzial zu, zu einem Einhorn aufzusteigen. Im internationalen Vergleich galt Deutschland lange als Nachzügler bei dem Versuch, globale Start-ups hervorzubringen. Langsam ändert sich dieser Trend.

Optimistischer Blick auf stürmische Start-ups

Für diese Kategorie qualifizieren sich Start-ups in dem Report, wenn sie aktuell zwischen 200 und 800 Millionen Euro Firmenbewertung gelistet werden – und ihnen die Autoren den nächsten Sprung zutrauen. Wohlwollen darf man den Analysten dabei zusprechen: Der Report wurde gemeinsam mit einigen Risikokapitalgebern erstellt, die zum Teil auch an gelisteten Start-ups beteiligt sind. Eine weitere wichtige Einschränkung: Dieser Report konzentriert sich ausschließlich auf Berlin. In die Hauptstadt fließen seit Jahren die meisten Investorengelder, dennoch wachsen auch in anderen deutschen Städten relevante Start-ups heran.

Neben der reinen Zahl ist eine Beobachtung von Dealroom interessant: Die hoffnungsvollen Digitalunternehmen stamme aus einer breiten Vielfalt von Branchen. Das war nicht immer so: „Nach großen Erfolgen bei Online-Marktplätzen für Verbrauchern hat Berlin nun aufsteigende Sterne in nahezu jeder Sparte“, schreiben die Autoren (hier geht es zum PDF).

Mobilitäts-Start-ups fahren voran

Ein neuer Schwerpunkt bildet sich dabei bei Mobilitäts-Start-ups: Mit Flash und Wind Mobility sind gleich zwei sehr junge Anbieter von E-Scootern dabei. In ihnen stecken bereits viele Millionen Euro an Investorengelder – vor allem aber große Hoffnungen auf einen noch sehr jungen Markt. Mit Blacklane und der Frontier Car Group gehören zwei weitere Start-ups aus dem Mobilitätsbereich zu der Liste, die schon länger tatsächliche Umsätze vorweisen können.

Gleich mehrfach finden sich zudem Start-ups auf der Liste, die sich um Finanzen und Versicherungen kümmern. Dazu zählen etwa das Zinsportal Raisin, die Fintech-Plattform Solarisbank, die Kreditplattform Smava oder die Insurtechs Friday und Wefox. Ihre Gemeinsamkeit: Sie müssen schnell zu stattlicher Größe wachsen, um es mit etablierten und finanzstarken Banken und Versicherungen aufnehmen zu können.

Darüber hinaus finden sich jedoch weitere Start-ups, die bislang wenig digitalisierte Branchen beackern – und darum groß herauskommen könnten. Darunter ist etwa McMakler, das Urban-Farming-Start-up Infarm oder die Gesundheits-Unternehmung Ada Health. Mit ResearchGate ist auch ein viel beachtetes Wissenschafts-Start-up unter den möglichen Kandiaten.

Die komplette Liste findet sich hinter diesem Link. Welches Start-up als nächstes tatsächlich eine Einhorn-kompatible Bewertung verkündet, bleibt abzuwarten. Welches der Unternehmen zudem wirklich zu einem digitalen Champion erwächst, ist dann eine weitere Frage.