McKinsey sieht hingegen vor allem Probleme bei der Finanzierung. Berlin sei zwar stark bei der Anfangsfinanzierung, aber in der mittleren Phase, der Wachstumsfinanzierung, noch vergleichsweise unterentwickelt, sagt Christian Malorny. „Der Wert der Unternehmen in Berlin wird geringer bemessen als der der Start-ups im Silicon Valley.“

Er hat trotzdem Hoffnung, dass die Stadt Investoren anzieht, auch, weil der Börsengang von Rocket Internet und Zalando einige Venture Capitalists an die Spree gelockt hat. „Interessanterweise kommen nicht die deutschen, sondern die internationalen Investoren nach Berlin und bauen hier Büros auf“, so der McKinsey-Experte. Ein Beispiel dafür sei der US-Softwareentwickler Microsoft, der einen eigenen Inkubator in der Stadt aufgebaut hat.

„Das nächste Google muss aus Berlin kommen“

Damit Berlin seine Gründerszene ausbauen kann, muss sich die Stadt aber auf ein paar wichtige Start-up-Themen fokussieren. McKinsey-Experte Christian Malorny sieht für die Metropole drei Zukunftsaspekte. Dazu gehören neben Digital Tech, also beispielsweise das Internet 4.0, auch ein Schwerpunkt auf medizinische Technologie und auf sogenannte Urban Technology, etwa die Mobilität der Zukunft. Die Stadt arbeitet bereits daran: Sobald der neue Flughafen fertig ist, will sie den jetzigen Flughafen Tegel zum Hort für Urban Tech machen. Für Malorny ist klar: „Das nächste Google oder das nächste Apple muss aus Berlin kommen.“

Der Hype um Berlin ist nicht ungerechtfertigt, sagt auch Glispa-Gründer Lin. „Heute steckt hinter dem Hype auch Substanz“, sagt er. Für ihn bietet die deutsche Hauptstadt sogar mehr als das amerikanische Gründertal: „Berlin ist besser als das Silicon Valley, weil die Stadt vielfältiger ist.“ Der Grund: In San Francisco siedelten sich vor allem Hightech-Start-ups an, 90 Prozent der Mitarbeiter seien männlich, 60 Prozent Ingenieure. Die Start-up-Welt in Berlin punktet für Gary Lin mit einer bunten Mischung aus Branchen und Internationalitäten.

Der Brite Franklin hält seine Entscheidung, in die deutsche Hauptstadt zu gehen, für genau richtig. Er will gar nicht mehr weg: „Ich bin zuversichtlich, dass wir immer in Berlin bleiben werden“, sagt er.