Als er mit seiner Firma nach Deutschland kam, übernahm Glispa ein kleines Start-up mit drei Mitarbeitern, um sich besser zu etablieren. Auch daran sieht Lin die Entwicklung Berlins: Früher habe er hauptsächlich deutsche Staatsbürger beschäftigt, heute arbeiten bei Glispa Menschen aus 35 Nationen.

Gerade für ausländische Gründer ist die Stadt interessant, sagt auch McKinsey-Experte Malorny. Er geht davon aus, dass in 25 Jahren jeder dritte Gründer ausländische Wurzeln haben wird.

Der frühere Manager Nick Franklin arbeitete in Manila auf den Philippinen, war dort verantwortlich für den Asienauftritt, bevor er nach Berlin kam. Im Jahr 2014 wollte er sich verändern, gab er seinen Job auf, zog mit seiner Frau in die deutsche Hauptstadt und baute das Start-up ChartMogul auf, ein Unternehmen, das Daten für Unternehmen auswertet.

„Ich kann kein Deutsch lesen“

Dass er sich ausgerechnet für Berlin entschied, begründet er damit, dass es ihm sinnvoller erschien, sein Start-up „in einem Land mit besserer Infrastruktur und besseren Voraussetzungen“ aufzubauen. Ihn überzeugten vor allem die niedrigen Lebenskosten und das schon vorhandene „Netzwerk erfolgreicher Technikfirmen“, wie Franklin sagt.

Der Start verlief vielversprechend: Im November stellte er seine Betaversion vor, im Dezember das offizielle Produkt. Anfang 2015 sammelte ChartMogul 600.000 US-Dollar ein, mit Hilfe einer Fundraising-Veranstaltung mit Point Nine Capital, Michael Hansen und Tom James. „Seit dem wachsen wir sehr stark und gewinnen täglich neue zahlende Kunden“, sagt Franklin.

Doch die Gründung lief nicht komplett reibungslos ab. „Man muss sich registrieren, Verträge abschließen, ein Geschäftskonto bei der Bank eröffnen, dann sind da noch Krankenversicherung, die Gewerbeanmeldung und so weiter“, sagt Franklin. „Ich kann kein Deutsch lesen, weshalb das meiste davon für mich nahezu unmöglich gewesen ist.“ Der Brite holte sich deshalb Hilfe und ließ sich von ortsansässigen Buchhaltern und Anwälten sowie Bankangestellten beraten.