Das junge Unternehmen kümmert sich um die Flotten von Mobilitätsdiensten. Dahinter stehen Großkonzerne aus der Energie- und Versicherungswelt. Sie suchen den Zugang zu einem Zukunftsthema.

Nichts geht über die Nähe: Wer sich schnell ein Auto über ein Carsharing-Anbieter ausleihen will, hofft auf ein Fahrzeug, das ganz in der Nähe abgestellt ist. Und dass man gleichzeitig sauber und intakt vorfindet. Hierfür will Ben Fleet Services garantieren: Das Start-up ist recht klassisch als Flottendienstleister unterwegs – und wäscht und wartet die Autos zwischen zwei Anmietungen. Das Geschäftsmodell sei „einfach, vom Kunden her gedacht“, sagt Initiatorin Henrike Luszick vom Company Builder Bridgemaker ganz offen. Doch große Vorteile sieht sie trotzdem: „Wir können die Dienstleistungen optimieren, weil wir mehr Erfahrung und kürzere Wege haben.“ Datenauswertungen helfen dabei, die Wege für die Service-Truppen in aktuell acht deutschen Städten möglich effizient zu gestalten.

Als größten Unterschied zu traditionellen Flottendienstleistern sieht Luszick den Fokus auf die Sharing-Anbieter: Ben bietet seine Dienste auch für die Firmenflotten von Unternehmen oder Behörden an. Wichtigster Wachstumstreiber sind jedoch Anbieter wie Miles, Sixt Share oder Stadtmobil. Die Kalkulation des Start-ups: Die Vermieter fokussieren sich auf Kundengewinnung, Standorte und Fahrzeuge – Ben übernimmt große Teile der täglichen Betreuung. Ein Trend zu geteilten Fortbewegungsmitteln spiele dem Start-up so in die Karten: „Wenn man ein Auto besitzt, putzt man selbst“, sagt Luszick, „aber wenn man ein Auto mietet, will man das Auto sauber und vollgetankt vorfinden.“

EnBW und Baloise investieren 5,5 Millionen Euro

Entstanden ist Ben Anfang 2019 – als ein gemeinsames Projekt vom Berliner Company Builder Bridgemaker und dem Energiekonzern EnBW. „Der Carsharing-Markt an sich ist bereits gesättigt“, berichtet Luszick aus den Überlegungen, „daher wir haben uns die Wertschöpfungskette drumherum vorgenommen.“ Neben Ben wurde so auch die Idee von Twist geboren: Dieses Start-up baut Carsharing-Flotten mit Elektroautos in kleineren Städten auf.

Einfach ist das gesamte Segment nicht: Mit unterschiedlichen Sharing-Modellen versuchen sich immer wieder auch Start-ups. Doch der Betrieb ist gerade zu Beginn kostspielig. Start-ups wie Oply stellten daher den Betrieb schon wieder ein. Dazu kommt ein hoher Konsolidierungsdruck: Getaround übernahm vor eineinhalb Jahren den Anbieter Drivy. In Deutschland veränderte der Zusammenschluss von Daimler und BMWs Sharing-Töchtern den Markt – aufgrund eines großen Spardrucks prüfen die Autokonzerne auch immer wieder eine Abspaltung des häufig nicht profitablen Geschäfts.

Für Ben arbeiten knapp zwei Jahre nach der Gründung bereits 100 Mitarbeiter an acht Standorten für das Start-up. Eine umfangreiche Finanzierungsrunde soll nun das weitere Wachstum unterstützen. Neben dem Energiekonzern kommt nun auch der Schweizer Versicherer Baloise mit als Gesellschafter dazu. Insgesamt 5,5 Millionen Euro stellen die beiden Konzerne bereit. Das Modell stoße nicht nur in Deutschland auf eine große Nachfrage, sondern „ist auch europaweit relevant für klassische, aber auch für neue Formen von Flotten“, sagt Patrick Wirth, zuständig für Mobilitätsthemen bei Baloise.

Anfang des kommenden Jahres könnte bereits der Schritt in Nachbarländer erfolgen, deutete Luszick an. Ein Vorteil für das Start-up: Die bestehende Sharing- und Flottenanbieter sind häufig schon in zahlreichen Städten vertreten. „Wir wachsen mit den Partnern und müssen nicht in jeder Stadt neu akquirieren“, sagt Luszick. Sinn macht es für die Teams von Ben jedoch, wenn gleich mehrere Anbieter sich in einer Region tummeln – um möglichst viele Fahrzeuge auf kleinem Raum betreuen zu können.