Bei Investoren stoßen die Lieferketten-Digitalisierer auf großes Interesse – doch etablierte Unternehmen der Branche scheuen Kooperationen.

Wenn es um die Digitalisierung geht, gilt die Logistikbranche gemeinhin eher als Nachzügler. Für technologiegetriebene Start-ups ein dankbares Themenfeld, könnte man meinen. Doch wie eine aktuelle Umfrage des IT-Verbands Bitkom zeigt, sind viele Unternehmen bei Logistikprozessen wenig offen für externe Innovatoren. So gaben neun von zehn der über 500 befragten Firmen an, in dem Bereich überhaupt nicht mit Start-ups zusammenarbeiten. Gegenüber einer Befragung von 2017 gab es hier kaum Bewegung, so der Verband.

Die Kooperationsbereitschaft in der Gesamtwirtschaft ist dagegen ausgeprägter. Immerhin jedes dritte Unternehmen mit 20 oder mehr Mitarbeitern arbeitet laut Bitkom in irgendeiner Form mit Start-ups zusammen.

Unter den zur Logistik befragten Unternehmen entwickeln drei Prozent gemeinsam mit Start-ups neue Dienstleistungen oder Produkte, zwei Prozent sind finanziell an jungen Unternehmen beteiligt. Fünf Prozent geben an, dass sie auf andere Weise zusammenzuarbeiten – etwa bei Gründerwettbewerben. „Von der Kooperation zwischen Logistikern und Start-ups, die bei Technologien wie Künstliche Intelligenz, Blockchain oder Datenanalyse weit vorne sind, profitieren beide Seiten – und sie leistet langfristig einen Beitrag, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Logistikbranche zu sichern und auszubauen“, mahnt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Großes Angebot

Tatsächlich ist die Bandbreite an Start-ups, die sich auf Prozesse rund um Lieferketten spezialisiert haben, groß. Dank üppiger Finanzierungsrunden auf sich aufmerksam gemacht haben zuletzt etwa digitale Speditionen. Dazu gehören beispielsweise Instafreight aus Berlin und der ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Konkurrent Freighthub. Als Vermittlungsplattform für sperrige und große Ladungen dient sich Pamyra aus Leipzig an, auf dem Paketversand ins Ausland hat sich Seven Senders spezialisiert.

Andere Start-ups zielen darauf, mehr Transparenz zu schaffen. Blackbox Solutions zum Beispiel setzt auf energiesparende Sensoren, ähnlich wie auch Nexiot. Das Tracking von Flüssiggutcontainern  hat sich Packwise vorgenommen. Ein auf Datenanalysen beruhendes Frühwarnsystem für Logistikmanager entwickelt Synfioo.

Hürden auf dem Weg zu einer Zusammenarbeit abzubauen, haben sich unter anderem die staatlich geförderten Digital Hubs auf die Fahnen geschrieben – gleich zwei widmen sich der Logistik. Man habe in kurzer Zeit eine Vernetzung zu städtischen Behörden und Unternehmen erreicht, sagte etwa Johannes Berg vom Digital Hub Logistics Hamburg Anfang des Jahres. Auch Maria Beck vom Hub in Dortmund berichtete bei WirtschaftsWoche Gründer über Erfolge bei der Vernetzung – unter anderem dank einer Eventreihe namens „Mittelstand meets Start-up.“