Der Antragsprozess, der sich nach Einschätzung des Experten über etwa ein Jahr ziehen kann, bindet dafür aber von Beginn an erhebliche Ressourcen. Nicht zuletzt müssen dafür Personal und Organisation im Unternehmen streng nach den Kriterien der Aufsicht ausgerichtet werden: “Das beginnt bei der verbindlichen Anwendung eines Prozesses für Neuprodukte und endet bei der Notwendigkeit von Führungszeugnissen im Personal-Bereich”, sagt Gans.

Viel Arbeit für überschaubaren Nutzen

Die BaFin selbst weiß, dass ihre eigenen Strukturen aktuell auf die Bedürfnisse der etablierten Institute ausgerichtet sind. An der Kommunikation wolle man daher arbeiten und dabei verständlich, schnell und „soweit es geht“ elektronisch werden, verkündete BaFin-Präsident Felix Hufeld bei der Vorstellung des Jahresberichts in dieser Woche. Der Markt an sich sei aber aus guten Gründen reguliert: “An der Stelle kommen wir ins Spiel”, sagte Hufeld, und dann könne nur gelten: “gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regel”.

Viel Arbeit für überschaubaren Nutzen – das gilt zumindest für viele Fintechs, die ja oft gezielt eine bestimmte Dienstleistung anbieten wollen. “Es gilt abzuwägen, ob das Geschäftsmodell tatsächlich eine Banklizenz erfordert und es erlauben wird dauerhaft die resultierenden organisatorischen und finanziellen Anforderungen zu kompensieren“, sagt Gans. Er rechnet daher mit einem moderaten Anstieg von neuen Vollbank-Lizenzen, weil auch andere Dienstleister aus dem E-Commerce oder den sozialen Netzwerken in den direkten Zahlungsverkehr drängen.

Zumindest mittelfristig könnte das Umfeld jedoch vor allem Wachstumschancen für Anbieter sogenannter „White Label“-Banklösungen bieten. Dazu zählen Firmen, die eine Banklizenz halten und ihre Dienstleistungen jungen Unternehmen zur Verfügung stellen – ohne selbst allzu prominent mit ihrem Markennamen in den Vordergrund zu drängen. Eine „One-Stop-Shop-Lösung mit höchstmöglichem Automatisierungsgrad” nennt das Bernd Würfel, Vorstand der biw AG. Weitere Anbieter in diesem Bereich sind etwa Wirecard, die unter anderem die Bankdienstleistungen für die Girokonto-App Number 26 abwickeln.