In den USA funktioniert das Konzept – auch dank der prominenten Frontfrau. Und in Deutschland, ohne Hollywoodstar? Eine Reihe Business Angels mit Erfahrung im Onlinegeschäft glaubt daran und hat einen einstelligen Millionenbetrag in Lillydoo investiert. Die Liste liest sich wie das “Who’s who” der deutschen Start-up-Szene: Delivery-Hero-Mitgründer Claude Ritter, Ex-Parship-Chef Arne Kahlke, Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Kramer, die früheren Rocket-Internet-Manager und jetzigen Project-A-Chefs Florian Heinemann, Christian Weiss und Uwe Horstmann.

Damit haben sie auch Nadir Benkhellouf ausgebremst. Der hatte bereits im Juni 2015 mit der Fairness Company einen Honest-Company-Klon gestartet. “Aber Lillydoo war bei der Investorensuche schneller”, räumt Benkhellouf ein. Nun will der Wirtschaftsinformatiker sein Konzept ändern. “Was die anderen machen, ist nicht wirklich nachhaltig.” Er erwägt, ein Produkt zu entwickeln, “das 100 Prozent ökologisch ist”.

Fairwindel will vollständig biologisch abbaubare Windel

Genau daran arbeiten auch noch weitere Start-ups. Denn alle herkömmlichen Windeln, ob von Pampers, Lillydoo oder Ökomarken wie Moltex oder Naty, haben im Kern das gleiche Problem: Das Kunststoffgranulat, die sogenannten Superabsorber im Inneren der Windel steigern zwar die Saugleistung enorm. Sie basieren aber auf Öl und sind daher dafür verantwortlich, dass sich selbst Biowindeln nicht recyceln lassen.

Das Brandenburger Unternehmen Fairwindel arbeitet nun an der ersten vollständig biologisch abbaubaren Windel. Der Chemiker Dominic Franck nutzt dazu ein Saugmaterial aus Kartoffelstärke. Im Dezember hat er die ersten 150 Stück getestet, unter anderem bei seiner anderthalbjährigen Tochter – und, wie er sagt, mit Erfolg. Jetzt verhandelt er mit möglichen Herstellern und ist auf Investorensuche, “für einen Marktstart im Sommer”, sagt Franck.

Ein Problem auf dem Weg zum komplett nachhaltigen Produkt muss aber auch Fairwindel noch lösen. “Für die Klettverschlüsse suchen wir noch Ersatz durch nachwachsende Materialien”, sagt Franck.