Dabei sieht Unnerstall für Deutschland durchaus Standortvorteile: Im Silicon Valley seien beispielsweise die Personalkosten höher. Dort koste ein Softwareentwickler bis zu 250.000 Dollar im Jahr. Zudem sei die Marke Made in Germany noch immer ein Standortvorteil. Trotzdem habe Baden-Württemberg bisher keinen eigenen Weg finden können. „Wir müssen Berlin nicht kopieren“, sagte er. Sondern sich auf Bereiche konzentrieren, die zu Baden-Württemberg passen. Dies sei vor allem die Nähe zum Mittelstand.

Ein großes Problem für junge Gründer war laut des Podiumsgastes Sven Schmidt-Rohr zudem fehlendes Kapital. Dies sei laut des Gründers der ArtiMinds Robotics GmbH viel schwieriger zu bekommen als in den USA. „Viele Ideen können so nicht umgesetzt werden“, sagt er. Das sei besonders dramatisch, da Baden-Württemberg exzellente Ingenieure und Softwareentwickler hätte. „Wir haben den Markt, die Nachfrage, die Mitarbeiter, nur das Kapital fehlt, und die Leute, die investieren.“

Viele Teams hätten derzeit noch ein paar Jahre Vorsprung bei ihren Entwicklungen. Aber spätestens wenn jemand aus den USA oder aus China 100 Millionen in ein Projekt stecke, sei es keine Hilfe, dass deutsche Arbeitskräfte drei Mal so schnell arbeiten würden. „Wenn heute eine Idee nicht verwirklicht wird, ist nach fünf Jahren jemand aus China oder aus den USA gekommen und hat es nachgemacht“, sagte Schmidt-Rohr.

Den Unternehmen fehlt der Mut

Der ehemalige Student des KarlsruherInstituts für Technologie (KIT) sieht vor allem eine Lücke nach ersten Anstoßstipendien wie dem Exist-Gründerstipendium. Die Betreuung an dem KIT sei beispielsweise sehr gut gewesen. „Es braucht aber Kapital für die Projekte, die technologisch aufwendiger sind“, sagte er. Immer dann nämlich, wenn Start-ups größere Systeme entwickeln möchten. Für Bootstrapping sei bei vielen Entwicklungen keine Zeit mehr.

Das hieße, es könne nicht mehr auf eine externe Finanzierung verzichtet werden. Früher habe man zehn Jahre wachsen können und habe dann das große Geld von Banken bekommen. „Dies reicht in der heutigen Zeit nicht mehr.“ Damit ein Unternehmen skalieren könne, brauche es bei der Geschwindigkeit der Märkte direkt Kapital.