Ein digitaler Assistent für Vertriebsteams ist das aktuelle Projekt des Seriengründers Stefan Groschupf – mit einem Millioneninvestment treibt er von San Francisco aus die Expansion voran.

Adressen und Telefonnummern aktualisieren, Formulare und Berichte für den Vertriebschef erstellen: Mit einem digitalen Assistenten für Vertriebsteams hat Seriengründer Stefan Groschupf aus Halle umgerechnet fast 13 Millionen Euro (14,5 Millionen US-Dollar) an Investorengeldern eingeworben. Sein US-amerikanisches Start-up Automation Hero mit Sitz in San Francisco entwickelt eine Software, die zeitaufwendige, wiederkehrende Aufgaben in Unternehmen auf Basis von künstlicher Intelligenz (KI) automatisiert. Vertreten ist die junge Firma mit aktuell insgesamt 30 Mitarbeitern auch in Deutschland: mit Büros in Berlin und Halle. Innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre will Groschupf sein Team an den deutschen Standorten auf mindestens 100 Mitarbeiter aufstocken, kündigt er im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer an.

Automation Hero arbeitet an einer Software zur Prozessautomatisierung, die es etwa bei Versicherungen oder anderen großen Firmenkunden mit mindestens einer dreistelligen Zahl an Vertriebsmitarbeitern installiert. Jeder Nutzer erhält über einen personalisierten Zugang im Arbeitsalltag Vorschläge des digitalen Assistenten, den das Start-up „Robin“ nennt. Per Klick können Mitarbeiter einzelne Aufgaben von dem Computerprogramm übernehmen lassen – zum Beispiel Formulare mit Zahlen aus der Firmendatenbank befüllen lassen oder ihre Reisekostenabrechnung aufstellen lassen.

Ziel ist der deutsche Finanzsektor

Mit der Technologie will das Start-up international expandieren. „In Deutschland sind wir bereits gut aufgestellt, Europa und Nordamerika sind jetzt die Märkte, auf die wir uns konzentrieren“, sagt Geschäftsführer Groschupf zu WirtschaftsWoche Gründer. Gerade in der Finanzbranche in Deutschland rechnet sich der 41-Jährige große Chancen aus: „Die Realität in vielen Unternehmen ist immer noch, dass Daten mehrmals in verschiedene Systeme eingetragen werden müssen. So sind mehr als 60 Prozent der Zeit eines Verkäufers mit administrativen Aufgaben verschwendet, die ihn davon abhalten, Zeit für den Kunden aufzuwenden“, so Groschupf, der bereits 2009 das Big-Data-Start-up Datameer aufgebaut hat – ebenfalls mit Sitz in San Francisco, Berlin und Halle. Der Seriengründer lebt seit 2005 in den USA – Anstoß gegeben habe ihm der bessere Zugang zu Risikokapital.

Trotz der Entfernung zu Kunden in Deutschland sieht Groschupf weitere Vorteile durch den Hauptstandort in San Francisco: „In Nordamerika verkaufen wir schneller und dabei ist fast jeder Deal doppelt so groß als es in Deutschland möglich wäre“, sagt der Gründer. In seinem Bereich innerhalb kurzer Zeit eine große, erfolgreiche Firma aufzubauen, sei derzeit nur von den USA aus möglich, so Groschupf.

Nach dem Ausstieg bei Datameer 2017 konnte er inzwischen mit Automation Hero die zweite Finanzierungsrunde innerhalb von zwölf Monaten abschließen. Ingesamt 19 Millionen Dollar stecken nun in der Firma, unter anderem vom Versicherer Signal Iduna. Hauptinvestor für die aktuelle Finanzspritze ist der europäische Risikokapitalgeber Atomico. Zudem stammt das frische Kapital von Cherry Ventures aus Berlin und Baidu Ventures, dem US-Investmentarm des gleichnamigen chinesischen Suchmaschinenkonzerns. Mit Baidu kooperiert das Start-up laut Groschupf auch bei der Forschung zu neuen Anwendungsmöglichkeiten für KI.