Finn, Cluno, Vive La Car, Faaren & Co. – Start-ups mit Auto-Abos im Angebot bringen Tempo auf die Straße. Der Druck zur Differenzierung steigt.

Was das Auto-Abo von Finn besonders macht? Es soll „völlig ökologisch nachhaltig“ sein, gibt die Fragen-Sektion auf der Webseite zur Antwort. Das erst in diesem Jahr gestartete Start-up wirbt damit, die CO2-Emmissionen seiner Flotte zu kompensieren. Das soll vor allem bei Geschäftskunden kleiner und mittlerer Größe punkten. Paradox: Bislang enthält die Fahrzeugauswahl der Münchener ausschließlich Benziner und Diesel.

Hauptsache schnell Fahrt aufnehmen, so scheint das Motto der jungen Angreifer zu lauten. Das Prinzip ist einfach und überall sehr ähnlich: In einem fixen Monatspreis auf Basis von Freikilometern und Auto-Modell sind alle Kosten außer für Sprit enthalten – darunter Hauptuntersuchung, Garantie, Kfz-Steuer, Versicherung und Zulassung. Die Verträge laufen meist ein bis sechs Monate oder ein Jahr. Danach lässt sich das Modell wechseln. Bei der Rückgabe ist ein Gutachter dabei, um Schäden festzustellen – die bekommen Kunden anschließend in Rechnung gestellt.

Die Suche nach dem Alleinstellungsmerkmal

Ob über Klimaschutz-Versprechen, kürzere Laufzeiten oder Rabatte – das Beispiel Finn zeigt, wie sehr die Einsteiger im Auto-Abo-Markt inzwischen um ein Unterscheidungsmerkmal ringen. Sie kämpfen darum, aus der Masse an Wettbewerbern herauszustechen. Denn nicht nur Start-ups wie Cluno aus München, Vive La Car aus Stuttgart oder Faaren aus Rottendorf bei Würzburg bearbeiten den Markt. Unterwegs in dem Gebiet sind auch die Branchengrößen: Hersteller wie Volvo, Volkswagen und Mercedes sowie Auto-Vermieter, darunter Sixt.

Es geht darum, eine Lücke zu bestehenden Nutzungsmodellen zu schließen – darunter auch das bereits etablierte Carsharing: „Kunden können jederzeit auf ein Fahrzeug zugreifen und erhalten damit eine attraktive Alternative zu Leasing, Barkauf oder Finanzierung“, wirbt der Leihwagen-Anbieter im Juli in einer Pressemitteilung. Das Portfolio an angebotenen Modellen werde sukzessive ausgebaut, so die Ankündigung von Sixt.

Auch Neustarter Finn will die Flotte ausbauen, „mit Fokus auf Elektromobilität“, wie es in einer Mitteilung von Dienstag heißt. Finanziellen Anschub leistet eine Gruppe an Investoren, die nun 8,8 Millionen beisteuern. Angeführt von HV Holtzbrinck Ventures beteiligen sich auch der dänische Risikokapitalgeber Heartcore Capital, Frühphasenkapitalgeber UVC Partners und der Bestandinvestor Picus Capital.

Das frische Kapital soll dabei helfen, gegenüber den Start-up-Rivalen mit mehr Erfahrung Boden gutzumachen. Investoren halten das für machbar: „Wir sehen aktuell im Mobilitätsmarkt massive Umbrüche durch ein sich änderndes Nutzerverhalten mit Fokus auf höhere Flexibilität und einfache Lösungen. Dies bedeutet sehr große Marktchancen für Unternehmen wie Finn“, lässt sich Rainer Märkle, General Partner bei HV Holtzbrinck Ventures, zur aktuellen Finanzierungsrunde zitieren.

Kapitalmarktpläne in der Schublade

Üppig ausgestattet ist der Münchener Lokalrivale Cluno, bereits 2017 gegründet: Inzwischen hat das Start-up laut einer Presseinformation von Ende September Zugriff auf 140 Millionen Euro an Fremdkapital sowie zusätzlich 32 Millionen Euro an Eigenkapital von deutschen und amerikanischen Venture-Capital-Gesellschaften. Interessant ist der Ausblick der jungen Firma: Die Finanzierungen „sollen das Wachstum der Auto-Abo-Flotte weiter vorantreiben und dienen als Basis für kapitalmarktfähige Strukturen“, gibt Cluno bekannt.

Im Preiskampf fährt das Münchener Start-up eine zurückhaltende Strategie: Nach wie vor beträgt die Startgebühr für Neukunden 300 Euro – andere Anbieter setzen hier den Rotstift an, ebenso bei Zulassungs- und Zustellungskosten. Einige Wettbewerber werben damit, ausschließlich hochwertig ausgestattete Neuwagen anzubieten, zum Beispiel Charter des Nürnberger Anbieters Choice.

Expansionspläne in Stuttgart

Über den deutschen Markt hinauswachsen will Vive La Car aus Stuttgart. Das erst im Januar gegründete Unternehmen, das sich selbst Mobility-Fintech nennt, will noch in diesem Winter nach Österreich expandieren, wie aus einer Mitteilung von vergangenem Freitag hervorgeht. In der Schweiz will das Start-up zum Genfer Autosalon starten. Während Kunden bei anderen Anbietern bis zu vier Monate auf das Wunschauto im Abo warten, weist Vive La Car einige Modelle zur Sofortabholung aus.

Es handelt sich teils um Gebraucht- und Jahreswagen mit einer Laufleistung bis zu 25.000 Kilometern. So könnten auch hochwertige Mietwagenrückläufer vermarktet werden, lässt sich Geschäftsführer und Gründer Mathias R. Albert zitieren. Die Zeichen stehen auf Wachstum: Mit seinen 20 Mitarbeitern ist Vive La Car inzwischen in ein größeres Büro in Stuttgart umgezogen.

Als Vermittler von Abo-Fahrzeugen ohne eigene Flotte will sich das Start-up Faaren aus Würzburg an die Spitze des Rennens setzen. Statt einen eigenen Fuhrpark aufzubauen, kooperiert das 2018 gegründete Unternehmen mit Autohäusern und -vermietern. Zu den Versprechen gehören eine große Auswahl und Flexibilität – ist die Mindestvertragslaufzeit auf einen Monat begrenzt.

Das Start-up will damit bekannt werden wie prominente Streaming-Anbieter: „Genauso wie bei Spotify und Netflix“, heißt es in einer Pressemitteilung. Einen Investor haben die Würzburger mit ihrem Konzept überzeugt: Die Unternehmensberatung Enowa hat in einer Pre-Seed-Runde Kapital zur Verfügung gestellt, wie das Nachrichtenportal „Welt“ vor einem Jahr berichtete.

Blick aufs Kleingedruckte

In den Details unterscheiden sich auch die Auto-Abos des Kölner Start-ups Like2drive. Junge Kunden ab 21 können hier einsteigen, während andere Anbieter wie Cluno ein Mindestalter von 23 Jahren fordern. Selbst nach oben hin gibt es bei Cluno eine Grenze: bis 73 darf man buchen. Für Junge flexibler, dabei in den Verträgen starrer: Like2drive, gegründet 2018 unter dem Dach der Kölner Fleetpool Group, schließt eine Verlängerung aus – das Fahrzeug muss in jedem Fall getauscht werden.

Trotz der Vielzahl an Konkurrenten sieht sich der Finn-Auto-Chef mit Nachhaltigkeitszielen vor dem Wechsel auf die Überholspur: „Mit unserem nutzerfreundlichen Angebot stoßen wir im Markt auf großes Interesse“, lässt sich Max-Josef Meier in einer Mitteilung zitieren. Ob das künftig reicht, wird sich zeigen.